Dick Francis - Lunte

Originaltitel: Decider
Krimi. Diogenes 1995
308 Seiten, ISBN: 3257229348

Was Lee Morris dazu bewogen hatte, nach all den Jahren tatsächlich zur Gesellschafterversammlung der Strattonbahn zu gehen, konnte er selbst nicht so ganz beantworten. Die Anteile an der Rennbahn hatte er von seiner Mutter geerbt, die einst mit einem Stratton verheiratet war und diese Anteile als Entschädigung erhalten hatte - eine Entscheidung, die vom Oberhaupt der Familie gegen den Willen seiner Sippschaft getroffen worden war.

Doch der alte Stratton war tot. Und seine Erben stritten sich darum, wie es mit der Bahn weitergehen sollte - sie verkaufen? Weitermachen wie bisher? Modernisieren?

Schon in normalen Familien könnte diese Entscheidung zu einigen heftigen Auseinandersetzungen führen. Doch in einer Familie wie den Strattons ist die Lage gleich noch explosiver: zu viele gewalttätige Hitzköpfe auf einen Haufen, die es gewohnt sind, sich gegenseitig mit Erpressungen gefügig zu machen.

Lee´s Auftauchen bringt die Situation zum Eskalieren..

Nur weil Rennbahn draufsteht, muss nicht unbedingt Pferdekrimi drin sein; aber wenn Dick Francis als Autor zeichnet, kann man sich auf hervorragende Unterhaltung gefasst machen.

So auch in diesem Krimi. Lee Morris ist ein typischer Francis-Held; besonnen, intelligent, bereit, für das Wohl derer, die ihm am Herzen liegen, auch Risiken einzugehen, die nicht mehr ganz legal sind. Mit einer Schar von sechs Söhnen ist er ausgestattet, reist in den Ferien mit ihnen in einem umgebauten Bus herum, um eine neue Ruine zu finden, die er umbauen kann.

Für die Darstellung der Stratton-Familie hat Francis tief in den Topf der Vorurteile gegen alte, vermögende Adelsfamilien gegriffen; was hier an Exzentrikern gezeigt wird, die nur dank des Einflusses ihrer Familie noch auf freiem Fuß sind, war dann doch ein bisschen zuviel an Schwarz-Weiß-Malerei für mich.

Nichts desto trotz waren es aber auch gerade die Konflikte mit dieser Familie, die das Lesevergnügen ausmachten; die Darstellung einer Marjorie Binsham, Schwester des Verstorbenen, die mit eiserner Hand den Rest der Familie beherrscht. Ihre Schrulligkeit kontrastiert wunderbar zur eitlen Selbstverliebtheit eines der Enkel; kurzum: ein paar wunderbar spannende und unterhaltsame Stunden sind garantiert!

Dick Francis

Dick Francis, geb. am 31.10.1920 als Richard Stanley Francis in Wales, war einst einer der bekanntesten Hockeys Englands, der auch für den Stall der Queen Mum antrat, bis 1956 ein Sturz seine Karriere beendete. "Scherben" war laut seiner eigenen Aussage sein letztes Buch, das er Königin Elisabeth, der Königinmutter, zum 100. Geburtstag gewidmet und erst auf ihre Bitte hin überhaupt noch geschrieben hatte. 2006 erschien dann aber ein weiterer Krimi, "Gambling / Under Orders", bereits in der Koautorschaft mit seinem Sohn Felix Francis. 3 weitere gemeinsame Romane folgten. Dick Francis verstarb am 14. Februar 2010 89jährig auf den Kaimaninseln, wo er zuletzt lebte, an Altersschwäche.

Auszug aus dem Titelverzeichnis / Rezensionen zu weiteren Büchern:


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