Dick Francis - Hilflos

Originaltitel: Forfeit (dt. Erstausgabe unter dem Titel "Jede Wette auf Mord"
Krimi. Diogenes 1994
356 Seiten, ISBN: 3257226551

Was machen die Rennsportbegeisterten vor einem Rennen? Jawohl, den Rennsportteil der Zeitungen lesen. Auf die Kommentare der Kolumnisten warten, ihre Empfehlungen als Ausgangslage für die Wetten zu nehmen. Und über eines dieser Rennen, über das Lamplighter Gold Cup, sollte James Tyrone einen Hintergrundbericht mit Tiefgang verfassen. Für den chronisch in Geldnöten steckenden Tyrone ein gefundenes Fressen; dass er bei seinen Routine-Recherchen allerdings gleich auf zwei Pulverfässer stoßen würde, hatte er nicht erwartet.

Das erste Pulverfass wird ihm in Form von Gail präsentiert; eine Frau, die all das ausstrahlte, was ihn anzog. Und was deshalb für ihn gefährlich war, denn: er war verheiratet. Und würde seine Frau niemals verlassen können. Trotzdem lässt er sich auf eine Affäre mit ihr ein; eine Affäre, bei der beide schon im Voraus wissen, dass es außer gelegentlichen Treffen keine Ansprüche aneinander geben darf.

Das zweite Pulverfass kommt noch überraschender; Burt, ein Reporter-Kollege, stürzt betrunken aus seinem Bürofenster. Und das, nachdem er einige Minuten zuvor Tyrone noch den Rat mitgegeben hatte, seine Kolumne niemals zu verkaufen. Und so wie es aussah, sprach Burt hier aus Erfahrung: keines der Pferde, das er in der jüngsten Vergangenheit empfohlen und damit die Vorwetten in die Höhe getrieben hatte, war an den Start gegangen. Ein Riesengewinn für den Buchmacher - und zu viel Zufall, um noch glaubwürdig zu sein.

Und dass über diese Entdeckung irgendjemand nicht sehr glücklich sein würde, war zu erwarten. Und auch Tyrone hat eine Schwachstelle - seine kranke Frau. Und hier setzen die Erpresser ihren Hebel an...

Zum Glück hat Dick Francis im Laufe der Jahre eine ganze Reihe guter Bücher verfasst, so dass ich wohl noch eine ganze Weile lang regelmäßig eines seiner Bücher als Wohlfühl-Lektüre genießen kann. Denn diesen Effekt haben seine Bücher auf mich: ich kann mich darauf verlassen, dass sie gut geschrieben sind; dass mich intelligenter Lesespaß erwartet. Und natürlich stellt sich auch immer die Frage: wie wird er es diesmal schaffen, das Geschehen auf der Rennbahn in seinen Plot einzuarbeiten?

Bei "Hilflos" ist das ganz klar: wenn ein Journalist die Rennsportseite betreut, muss er sich auch hin und wieder auf der Rennbahn blicken lassen. Und wieder habe ich etwas dazugelernt über Buchmacher und das Wettsystem auf der Rennbahn, über die Art und Weise, wie hier spekuliert wird - und das wieder mit einem sympathischen, verantwortungsvollen Protagonisten. Zwar haben mich andere Bücher von Dick Francis (vor allem die späteren Werke) noch etwas mehr überzeugt, aber mit "Hilflos" verbringt man mit Sicherheit ein paar angenehme Stunden.

Dick Francis

Dick Francis, geb. am 31.10.1920 als Richard Stanley Francis in Wales, war einst einer der bekanntesten Hockeys Englands, der auch für den Stall der Queen Mum antrat, bis 1956 ein Sturz seine Karriere beendete. "Scherben" war laut seiner eigenen Aussage sein letztes Buch, das er Königin Elisabeth, der Königinmutter, zum 100. Geburtstag gewidmet und erst auf ihre Bitte hin überhaupt noch geschrieben hatte. 2006 erschien dann aber ein weiterer Krimi, "Gambling / Under Orders", bereits in der Koautorschaft mit seinem Sohn Felix Francis. 3 weitere gemeinsame Romane folgten. Dick Francis verstarb am 14. Februar 2010 89jährig auf den Kaimaninseln, wo er zuletzt lebte, an Altersschwäche.

Auszug aus dem Titelverzeichnis / Rezensionen zu weiteren Büchern:


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