Dick Francis - Gefälscht

Originaltitel: In the Frame (dt. Erstausgabe unter dem Titel "Die ganze Palette des Todes")
Krimi. Diogenes 1997
302 Seiten, ISBN: 3257233094

Als Charles nicht, wie vereinbart, von seinem Cousin Donald am Bahnhof abgeholt wird, kann er trotzdem nicht ahnen, was ihn dann erwartet, als er vor der Tür steht: Streifenwagen und Blaulicht, und ein Donald, der ihn kaum wahrnimmt. In Donalds Haus war eingebrochen worden; seine Frau hatte die Diebe überrascht und dafür mit dem Tod bezahlt.

Zu allem Überfluss verdächtigt die Polizei nun auch noch Donald, den Einbruch selbst initiiert zu haben, um die Versicherungsprämie kassieren zu können. Charles versucht ihm zu helfen, doch Donalds Gedanken kreisen nur noch um seine verstorbene Frau.

Für Charles geht das Leben trotzdem irgendwie weiter; und damit auch die Arbeit. Er ist Pferdemaler und als solcher ganz gut im Geschäft; natürlich verbringt er entsprechend auch viel Zeit auf den Rennbahnen. Hier begegnet er Mrs. Matthews - die gerade erst ihr Heim verloren hat. Ein Raub der Flammen sei es geworden; ob er die Ruine für sie malen würde? Er würde.

Und bemerkte eine verblüffende Ähnlichkeit zu Donalds Tragödie. Beide hatten sie vor wenigen Monaten eine Australienreise unternommen, waren in einem Museum angesprochen worden und hatten den heißen Tipp erhalten, ein Bild von Munnings wäre in einer kleinen Galerie günstig zu verkaufen.

Es ist nur ein Strohhalm, auf diese Weise vielleicht doch noch die Hintergründe des seltsamen Überfalls aufklären zu können. Aber Charles ist entschlossen, seinem Cousin zu helfen: er fliegt nach Australien.

es dauert auch nicht lange, bis er findet, was er sucht: eine Galerie, die in einem separierten Raum Pferdebilder zeigt. Darunter auch einen echten Munnings. Doch die Organisation, die hinter den perfekt ausgeführten Raubzügen steht, ist eine Nummer zu groß für Charles; schon bald ist er selbst der Gejagte, der um sein Leben bangen muss...

"Gefälscht" ist ein klassischer Dick Francis; da gibt es einmal den schlauen, einsamen und mutigen Helden Charles, der mehr Prügel bezieht, als man normalerweise verkraften kann; es gibt die Freunde, die trotz Risiken für eigenes Hab und Gut und Leben bereit sind, das Abenteuer mitzumachen, Charles zu unterstützen; und natürlich gibt es die Übeltäter, die ein raffiniertes Netz aufgebaut haben, dem mit normaler Polizeiarbeit wohl kaum beizukommen wäre.

Natürlich dürfen bei einem Buch von Dick Francis die Pferde nicht fehlen; in diesem Fall beschränkt sich ihre rolle allerdings auf Motive für die gestohlenen Bilder.

Das alles wird erzählt mit Witz und Tempo, und in diesem ganz speziellen Fall kommt für mich ein großes Interesse für den Ort der Handlung hinzu: Australien und Neuseeland.

Kurz zusammengefasst: Charles Todd war mir persönlich ein wenig zu widerstandsfähig, zu schlau, zu einsam, um mich völlig überzeugen zu können; die Idee, die hinter den Raubzügen steht und die Art, wie ihnen auf die Schliche gekommen wird, ist überzeugend und spannend, und über das entsprechende Lokalkolorit brauche ich mich wohl kaum nochmals extra äußern - ein gelungener früher Dick Francis, den ich sehr gerne weiterempfehle!

Dick Francis

Dick Francis, geb. am 31.10.1920 als Richard Stanley Francis in Wales, war einst einer der bekanntesten Hockeys Englands, der auch für den Stall der Queen Mum antrat, bis 1956 ein Sturz seine Karriere beendete. "Scherben" war laut seiner eigenen Aussage sein letztes Buch, das er Königin Elisabeth, der Königinmutter, zum 100. Geburtstag gewidmet und erst auf ihre Bitte hin überhaupt noch geschrieben hatte. 2006 erschien dann aber ein weiterer Krimi, "Gambling / Under Orders", bereits in der Koautorschaft mit seinem Sohn Felix Francis. 3 weitere gemeinsame Romane folgten. Dick Francis verstarb am 14. Februar 2010 89jährig auf den Kaimaninseln, wo er zuletzt lebte, an Altersschwäche.

Auszug aus dem Titelverzeichnis / Rezensionen zu weiteren Büchern:


Neues aus dem LESELUST-Blog

Claude Lanzmann - Der patagonische Hase. Erinnerungen

Claude Lanzmann ist der Mann, der den Film "Shoah" geschaffen hat. Er hat als Filmemacher, Journalist, Lektor gearbeitet, sich schon in der Jugend in der Resistance organisiert, mit Simone de Beauvoir zusammengelebt, Angelika Schrobsdorff geheiratet… kurzum: ein ausgesprochen ereignisreiches Leben gelebt, von dem er in diesem Buch erzählt. Ein Zeitzeugnis, fürwahr - manchmal zwar aufgrund der Eitelkeit des Autors nur schwer erträglich, aber die letzten 200 Seiten, in denen er von der Enstehung seines Hauptwerks berichtet, lassen alle vorherigen Kritikpunkte zurücktreten. [..MEHR..]

Link zum Diskussionsforum

©22.12.2001 Daniela Ecker (Brezing) - - - Impressum - - - © 1998-2013 LESELUST Daniela & Markus Brezing