Dick Francis - Galopp

Originaltitel: Trial Run (dt. Erstausgabe unter dem Titel "Im Galopp in die Falle"
Krimi. Diogenes 1981
277 Seiten, ISBN: 3257219830

Rennen darf er nicht mehr reiten, weil es Jockeys seit neuestem verboten ist, Brillen zu tragen - aber dem Kitzel der Gefahr ist Randall Drew immer noch zugetan. Trotzdem lehnt er das Ansinnen, in geheimer Mission nach Russland zu reisen, erst ab - bis er vom Vetter der Königin persönlich darum gebeten wird, herauszufinden, ob seinem Schwager Gefahr drohen würde, wenn er es schaffen sollte, bei der nächsten Olympiade in Moskau zu reiten.

Es gab da ein paar seltsame Vorfälle; der junge Adelige hatte sich mit einem Reiter aus dem deutschen Team angefreundet und war ein paarmal mit ihm in zwielichtigen Spelunken gesichtet worden. Kurz darauf war der Deutsche tot - angeblich ein Herzanfall. Doch die Gerüchteküche behauptet etwas anderes: es hätte mit Aljoscha zu tun, und wenn der Engländer nach Moskau reisen würde, dann würde er Aljoschas Rache zu spüren bekommen.

Randalls Aufgabe ist es, Aljoscha zu finden - und als Gefahr auszuschalten. Doch das erweist sich als schwieriger als gedacht - schließlich hatten auch schon das auswärtige Amt und andere Geheimentsandte ihre Fühler in Moskau ausgestreckt. Ergebnislos.

Doch eines hat Randall ihnen allen voraus: er hat einen Namen in der Welt der Pferde. Und dieser Name öffnet ihm Türen und Informationen, die ihm sonst verborgen geblieben wären. Aber irgendjemand hat ein deutliches Interesse daran, dass er nicht zu viel erfährt...

Leider ist "Galopp" einer der schwächsten Krimis von Dick Francis, die ich bislang gelesen habe. Sein Protagonist tappt derart blauäugig in sämtliche Fallen, die einem Neuankömmling im Kommunismus nur passieren können, das es fast weh tut, es zu lesen; und leider lässt Dick Francis auch kein Klischee über Russland, den Kommunismus, den kalten Krieg aus.

Entsprechend ungelenk und hölzern agiert auch sein Protagonist; die Leichtigkeit, mit der Dick Francis es normalerweise schafft, die Lebensumstände seiner Helden so zu schildern, dass sie absolut authentisch wirken, fehlt diesmal. Moskau ist nicht Newmarket, und Spionage nicht Francis´ Stärke. Leider. Ausnahmsweise ein Dick Francis, von dem ich abrate.

Dick Francis

Dick Francis, geb. am 31.10.1920 als Richard Stanley Francis in Wales, war einst einer der bekanntesten Hockeys Englands, der auch für den Stall der Queen Mum antrat, bis 1956 ein Sturz seine Karriere beendete. "Scherben" war laut seiner eigenen Aussage sein letztes Buch, das er Königin Elisabeth, der Königinmutter, zum 100. Geburtstag gewidmet und erst auf ihre Bitte hin überhaupt noch geschrieben hatte. 2006 erschien dann aber ein weiterer Krimi, "Gambling / Under Orders", bereits in der Koautorschaft mit seinem Sohn Felix Francis. 3 weitere gemeinsame Romane folgten. Dick Francis verstarb am 14. Februar 2010 89jährig auf den Kaimaninseln, wo er zuletzt lebte, an Altersschwäche.

Auszug aus dem Titelverzeichnis / Rezensionen zu weiteren Büchern:


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