Dick Francis - Festgenagelt

Originaltitel: Bolt
Krimi. Diogenes 1995
306 Seiten, ISBN: 3257228384

Wenn zwei Männer um eine Frau kämpfen, und während dieser Zeit auch noch unter einem Dach leben - und sich trotzdem mit Anstand, ja, sogar mit gegenseitiger Hochachtung und aufrichtiger Zuneigung begegnen, dann liegt die Vermutung nahe, dass das Buch von einem Engländer geschrieben sein muss.

Engländer ist Dick Francis ohne Zweifel - und das britische Understatement seiner Romane macht sie zu dem Besonderen, das sie auf jeden Fall darstellen.

Die vorhin angesprochene Liebesgeschichte ist jedoch nur ein Detail dieses ausgesprochen spannenden Krimis; denn eigentlich handelt es von einer Erpressung. Kit Fielding reitet die Pferde von Prinzessin Casilia; und ihre Nichte, Danielle, ist die Frau seines Herzens. Doch trotz dieser neuen familiären Bindungen ist ihr Verhältnis immer noch sehr offiziell und förmlich. Dass sie Kits Hilfe annimmt, als er sie völlig geschockt nach einem Rennen nach Hause begleitet, zeigt das, wie tief der Schreck für sie sitzen muss.

Mit Gewalt will sich der französische Geschäftspartner ihres Mannes eine Unterschrift holen, die ihm bislang verweigert worden war - er plant, die Geschäfte auf Waffenindustrie auszuweiten und benötigt dazu den guten Namen seines Partners. Aber für einen Mann vom Schlag des Prinzen wäre eine Ehrverletzung dieser Art tödlich. Auch Kits moralischer Standpunkt ist in dieser Frage klar - und gemeinsam mit seinem Nebenbuhler überlegt er fieberhaft, wie sie dem Widersacher das Handwerk legen können, der in der Zwischenzeit nicht untätig bleibt und als Druckmittel die Pferde der Prinzessin erschießt...

Wie die beiden Männer mit der Herausforderung fertig werden, ist wirklich von der ersten bis zur letzten Seite spannend zu lesen. Herrlich ist auch eine der nervtötendsten Waffen, die ich bislang in einem Buch von Dick Francis erlebt habe: die Schwester des Prinzen, zum Franzosen übergelaufen, gibt sich alle Mühe, die anderen Hausbewohner zu schikanieren. Wie treffend Francis hier das Aufeinanderprallen von zutiefst gelebter britischer Noblesse mit der amerikanischen Lebedame überzeichnet, ist höchst amüsant zu lesen - und das ist nur ein Detail von vielen, die mir diesen Roman zum echten Vergnügen haben lassen.

Eines seiner besten Bücher - und wohl die Fortsetzung zu "Ausgestochen", das ich zu diesem Zeitpunkt jedoch leider noch nicht gelesen habe. Eine Empfehlung!

Dick Francis

Dick Francis, geb. am 31.10.1920 als Richard Stanley Francis in Wales, war einst einer der bekanntesten Hockeys Englands, der auch für den Stall der Queen Mum antrat, bis 1956 ein Sturz seine Karriere beendete. "Scherben" war laut seiner eigenen Aussage sein letztes Buch, das er Königin Elisabeth, der Königinmutter, zum 100. Geburtstag gewidmet und erst auf ihre Bitte hin überhaupt noch geschrieben hatte. 2006 erschien dann aber ein weiterer Krimi, "Gambling / Under Orders", bereits in der Koautorschaft mit seinem Sohn Felix Francis. 3 weitere gemeinsame Romane folgten. Dick Francis verstarb am 14. Februar 2010 89jährig auf den Kaimaninseln, wo er zuletzt lebte, an Altersschwäche.

Auszug aus dem Titelverzeichnis / Rezensionen zu weiteren Büchern:


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