Dick Francis - Doping

Originaltitel: For Kicks (dt. Erstübersetzung unter dem Titel "Der Trick, den keiner kannte")
Krimi. Diogenes 2000
346 Seiten, ISBN: 3257232543

Wäre Daniel Roke nicht gerade in seiner zerrissensten Arbeitskluft herumgelaufen, als der Earl of October auf seinem Gestüt auftauchte, hätte er wohl nie dieses Angebot unterbreitet bekommen, das sein Leben gründlich verändern sollte.

Anstatt weiterhin sein Pferdegestüt zu versorgen, seine Geschwister auf gute Schulen zu schicken und sich innerlich nach Freiheit zu sehnen, sollte er zumindest für ein paar Monate Australien verlassen und stattdessen in England als Stallbursche versuchen, hinter einige sehr mysteriöse Dopingfälle zu kommen.

Dopingkontrollen ergaben nichts, keine verbotene Substanz, die zugesetzt worden war, keine mechanische Einstichstelle war feststellbar; aber die Tiere waren nach ihrem Sieg kaum zu beruhigen, hatten Schaum vor den Mund, als wären sie künstlich aufgeputscht worden.

Sich als Stallbursche zu verdingen war keine große Schwierigkeit; aber den richtigen Leuten aufzufallen und bewusst den eigenen Ruf so weit zu ruinieren, dass man in Erwägung ziehen würde, ihn mit kleineren oder größeren Beträgen zu kaufen, das fiel Daniel schon wesentlich schwerer. Aber sein gutes Aussehen, entsprechende Kleidung und ein wissender Blick an der rechten Stelle säten die nötigen Gerüchte, und als das erste Angebot kam, griff Daniel zu.

Aber das war nur ganz normales Bremsen eines Favoriten, noch nicht der Fall von Doping, wonach er und seine Auftraggeber suchten. Aber das ganze Studium der Akten brachte keine nennenswerten Gemeinsamkeiten hervor. Erst der Verführungsversuch von Earl Octobers Tochter brachte Daniel in die schwierige Lage, die ihn erst in en Stall katapultieren sollte, in den keiner wirklich als Pfleger wollte...

Wer Tiere liebt und zart besaitet ist, sollte dieses Buch vielleicht lieber nicht lesen; die Schilderung der Dopingmethode vermag auch abgebrühten Geisern den Magen umzudrehen. Wenn man Dick Francis Schilderungen über die Gepflogenheiten eines Daseins als Stallbursche Glauben schenken darf - und nachdem er selbst jahrelang als Jockey tätig war, kann man sich auf seine Details wohl verlassen - dann ist dies Dasein insgesamt ziemlich schrecklich, zusammengepfercht in Gemeinschaftsschlafsälen, ohne die geringste Privatspähre...

Insgesamt erschien mir dieser Krimi auch brutaler als die meisten, die ich bislang gelesen habe - aber eines kann Dick Francis nach wie vor am hervorragend: eine Geschichte erzählen. Trotz kleinerer Ungereimtheiten und logischen Sprünge ist "Doping" doch hervorragende Krimikost!

Dick Francis

Dick Francis, geb. am 31.10.1920 als Richard Stanley Francis in Wales, war einst einer der bekanntesten Hockeys Englands, der auch für den Stall der Queen Mum antrat, bis 1956 ein Sturz seine Karriere beendete. "Scherben" war laut seiner eigenen Aussage sein letztes Buch, das er Königin Elisabeth, der Königinmutter, zum 100. Geburtstag gewidmet und erst auf ihre Bitte hin überhaupt noch geschrieben hatte. 2006 erschien dann aber ein weiterer Krimi, "Gambling / Under Orders", bereits in der Koautorschaft mit seinem Sohn Felix Francis. 3 weitere gemeinsame Romane folgten. Dick Francis verstarb am 14. Februar 2010 89jährig auf den Kaimaninseln, wo er zuletzt lebte, an Altersschwäche.

Auszug aus dem Titelverzeichnis / Rezensionen zu weiteren Büchern:


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