Dick Francis - Comeback

Originaltitel: Comeback
Krimi. Diogenes 1983
362 Seiten, ISBN: 3257227531

Ursprünglich war Peter Darwin von der Idee seines Kollegen an der britischen Botschaft, Vicky und Greg während des Fluges nach London Gesellschaft zu leisten, wenig erbaut. Ein alterndes Ehepaar, das noch dazu in Clubs auftritt - das klang nach peinlicher Konversation. Umso überraschter war er dann, als er Vicky kennen lernte. Eine jung gebliebene Dame mit Humor und einer hervorragenden Stimme - der Flug würde nicht so schrecklich sein, wie er erwartet hatte.

Aber am Abend vor dem Abflug werden Greg und Vicky überfallen; ein typischer Straßenraub, der sie dennoch viele Nerven kostet. In Peter erwacht der Fürsorgeinstinkt; nicht nur während des Fluges will er sie begleiten, er beschließt, sie bis nach Newmarket zu bringen, wo Vickys Tochter lebt und bald heiraten will. Vor der zweiten Ehe seiner Mutter war auch Peter in Newmarket aufgewachsen, hatte aber keine Kontakte mehr dahin.

Nur noch ein Abendessen mit Vickys Tochter Belinda und dem zukünftigen Schwiegersohn Ken, dann will er abreisen. Doch Ken wird während des Abendessens weggerufen; die Tierklinik, die er mit einigen Kollegen gemeinsam betreibt, ist abgebrannt. Das ist aber nur ein weiterer Punkt in der Serie an Unglücksfällen, die Ken in der letzten Zeit heimgesucht haben; er, der eigentlich ein hervorragender Pferdechirurg ist, musste in der letzten Zeit eine überdurchschnittlich hohe Anzahl an Tieren verzeichnen, die entweder die Operation nicht überlebten, oder aber kurz danach verstarben. Peter wird Zeuge einer Operation, die noch in dieser Nacht an einem Pferd vorgenommen werden muss; und die Souveränität, mit der Ken hier arbeitet, sein Fachwissen, wirken so überzeugend auf Peter, dass er sich nicht vorstellen kann, dass diese Unglücksfälle durch Schlamperei zustande gekommen sein könnten.

Peter beginnt, sich umzusehen. Aus seiner Vergangenheit kennt er noch einige Namen, kennt noch Zusammenhänge zwischen einzelnen Familien, ohne dass diese in ihm den Jungen wiedererkennen, der mit zwölf Jahren von hier fortgezogen war. Und er fördert immer mehr seltsame Details zu den verendeten Pferden zu Tage...

Kann man über ein Buch von Dick Francis ein größeres Lob aussprechen als: ein echter Francis, von der ersten bis zur letzten Seite? Schon nach wenigen Seiten weiß man: man wird nicht aufhören können zu lesen, bis die letzte Seite erreicht ist. Spannend, ohne dabei spektakulär werden zu müssen, versteht es der Autor, dem Leser wunderbaren Krimigenuss zu bieten.

Es ist allerdings nicht unbedingt der Krimiplot, den man an Dick Francis Büchern in den Vordergrund rückt; natürlich ist man als Leser daran interessiert, wer denn nun ein Interesse daran hat, Ken so gründlich zu schaden. Aber noch mehr interessiert das Gesellschaftsbild, das hier gezeigt wird. Dem Autor wird vorgeworfen, dass alle seine Bücher mit dem Rennsport zu tun hätten. Das stimmt. Allerdings ist das nicht immer im Vordergrund; in "Comeback" spielen Pferde allerdings wieder eine sehr wichtige Rolle. Und man merkt beim Lesen, dass der Autor sehr viel von diesem Metier versteht, schließlich war die Rennbahn lange Jahre sein zuhause.

Wahre Meisterschaft besteht aber darin, ein Milieu, das vielleicht die meisten Leser nicht unbedingt anspricht, so zu schildern, dass sie trotzdem Interesse daran finden. Das gelingt Dick Francis; und in diesem Buch hier ganz besonders!

Dick Francis

Dick Francis, geb. am 31.10.1920 als Richard Stanley Francis in Wales, war einst einer der bekanntesten Hockeys Englands, der auch für den Stall der Queen Mum antrat, bis 1956 ein Sturz seine Karriere beendete. "Scherben" war laut seiner eigenen Aussage sein letztes Buch, das er Königin Elisabeth, der Königinmutter, zum 100. Geburtstag gewidmet und erst auf ihre Bitte hin überhaupt noch geschrieben hatte. 2006 erschien dann aber ein weiterer Krimi, "Gambling / Under Orders", bereits in der Koautorschaft mit seinem Sohn Felix Francis. 3 weitere gemeinsame Romane folgten. Dick Francis verstarb am 14. Februar 2010 89jährig auf den Kaimaninseln, wo er zuletzt lebte, an Altersschwäche.

Auszug aus dem Titelverzeichnis / Rezensionen zu weiteren Büchern:


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