Dick Francis - Rufmord

Originaltitel: Nerve (dt. Erstausgabe unter dem Titel "Die letzte Hürde")
Krimi. Diogenes 1998
325 Seiten, ISBN: 3257229887

Rob Finn ist Jockey - keiner der berühmten, erfolgreichen, sondern einer der vielen, die um jeden Ritt dankbar sind, auch wenn ihm prinzipiell eher schlechte Pferde angeboten werden. Er schlägt sich somit mehr schlecht als recht durchs Leben.

Die Stimmung ist generell nicht gut unter den Jockeys. Einer erschießt sich, weil er entlassen wurde, ein zweiter wird so aggressiv, dass er in psychiatrische Behandlung muss. Die Trainer klagen, dass kaum einsetzbare Jockeys zur Verfügung stünden - den wenigen, die hier sind, werden schlimme Dinge nachgesagt.

Als einer der Favoriten einen komplizierten Beinbruch erleidet, schlägt die Stunde für Rob Finn: er darf einspringen, erhält plötzlich die besten Pferde, reitet von Sieg zu Sieg. Dabei war er erst wenige Tage zuvor bei einem Fernsehinterview als Beispiel eines erfolglosen Jockeys präsentiert worden.

Doch nach diesen arbeitsreichen Wochen, in denen alles klappt, beginnt eine unglaubliche Pechserie - jedes Pferd, das Finn reitet, bewegt sich nur wie in Trance, auch wenn es normalerweise zu den Favoriten gehört. Natürlich spricht sich das sofort herum, die Aufträge werden immer weniger, das Vertrauen der Eigentümer ist praktisch nicht mehr vorhanden, er erntet bestenfalls noch mitleidige Blicke.

Doch langsam glaubt er nicht mehr daran, dass dies alles Zufall sein soll. Da steckt ein Plan dahinter, mit dem Jockeys systematisch fertig gemacht werden sollen - so macht er sich auf die Suche nach Übereinstimmungen. Tatsächlich - jedes der Pferde, die er auf den letzten Platz geritten hat, hatten kurz zuvor ein Zuckerstückchen erhalten. So erbittet er eine letzte Chance von seinem Trainer - der dann auch dafür sorgt, dass das Pferd diesmal keinen Zucker erhält. Finn liefert ein phantastisches Rennen - und soll im wichtigsten Rennen danach den Favoriten reiten.

Doch am Vorabend passiert ihm Schreckliches - während er auf einen Freund wartet, wird er im Auto brutal gepackt, gefesselt, und an einen versteckten Ort gebracht, wo ihm Wasser über den Körper gegossen wird. So soll er wohl sterben.

Mit unsäglicher Mühe kann er sich befreien, schafft es auch, seinen geschundenen Körper am nächsten Tag aufs Pferd zu plagen - und zu gewinnen. Doch nun will er sich rächen....

Tja - der gute Dick Francis wiederholt sich wohl auch hin und wieder - kein Wunder, bei so vielen Büchern.

Keine Frage - Rufmord ist spannend geschrieben, man erfährt eine Unmenge über die Welt des Reitsports, in diesem Fall auch über Musik, da Rob Finns Eltern beide bekannte Musiker sind.

Doch für mich sind die Ähnlichkeiten zu "Favorit" eklatant - ein Fernsehmoderator, der psychische Probleme hat, die in diesem Fall an den Jockeys, in "Favorit" an den Pferden ausgelassen werden. Das Motiv erscheint mir etwas dürftig.

Außerdem war mir dieser Rob Finn ein wenig zu glatt und gut. So sehr kann man ihn gar nicht quälen, dass er nicht trotzdem dank seiner unglaublichen Willenskraft noch volle Leistung bringt. Er unterstützt auch in Not geratene Jockeys, ganz und gar selbstlos... und er muss zum Schluss natürlich auch noch die Liebe seines Lebens für sich gewinnen.

Ich glaube, für mich ist jetzt erst mal wieder eine Francis-abstinente Zeit angesagt, damit ich die nächsten Krimis wieder genießen kann.

Dick Francis

Dick Francis, geb. am 31.10.1920 als Richard Stanley Francis in Wales, war einst einer der bekanntesten Hockeys Englands, der auch für den Stall der Queen Mum antrat, bis 1956 ein Sturz seine Karriere beendete. "Scherben" war laut seiner eigenen Aussage sein letztes Buch, das er Königin Elisabeth, der Königinmutter, zum 100. Geburtstag gewidmet und erst auf ihre Bitte hin überhaupt noch geschrieben hatte. 2006 erschien dann aber ein weiterer Krimi, "Gambling / Under Orders", bereits in der Koautorschaft mit seinem Sohn Felix Francis. 3 weitere gemeinsame Romane folgten. Dick Francis verstarb am 14. Februar 2010 89jährig auf den Kaimaninseln, wo er zuletzt lebte, an Altersschwäche.

Auszug aus dem Titelverzeichnis / Rezensionen zu weiteren Büchern:


Neues aus dem LESELUST-Blog

Claude Lanzmann - Der patagonische Hase. Erinnerungen

Claude Lanzmann ist der Mann, der den Film "Shoah" geschaffen hat. Er hat als Filmemacher, Journalist, Lektor gearbeitet, sich schon in der Jugend in der Resistance organisiert, mit Simone de Beauvoir zusammengelebt, Angelika Schrobsdorff geheiratet… kurzum: ein ausgesprochen ereignisreiches Leben gelebt, von dem er in diesem Buch erzählt. Ein Zeitzeugnis, fürwahr - manchmal zwar aufgrund der Eitelkeit des Autors nur schwer erträglich, aber die letzten 200 Seiten, in denen er von der Enstehung seines Hauptwerks berichtet, lassen alle vorherigen Kritikpunkte zurücktreten. [..MEHR..]

Link zum Diskussionsforum

©27.03.1998 Daniela Ecker (Brezing) - - - Impressum - - - © 1998-2013 LESELUST Daniela & Markus Brezing