Dick Francis - Favorit. Ein Sid-Halley-Roman.

Originaltitel: Come to Grief
Krimi. Diogenes 1997
410 Seiten, ISBN: 3257230931

Ganz England ist empört - Sid Halley wagt es, den angesehenen Fernsehstar Ellis Quint, der noch dazu ein alter Freund von ihm aus aktiven Renntagen ist, eines ungeheuerlichen Verbrechens zu beschuldigen: er hätte mehreren Pferden den rechten Vorderhuf abgeschnitten.

So groß das Entsetzen über diese Tat auch im ganzen Land ist - keiner glaubt daran, daß ausgerechnet Ellis sie begangen haben soll. Sid sieht sich einer Hetzkampagne in der Zeitung "The Pump" ausgesetzt, der sich sämtliche andere Medien anschließen.

Drohanrufe, Schmähungen - damit hat er schon zu leben gelernt. Doch am ersten Verhandlungstag wird ihm aufgelauert - und nur mit Mühe kann er verhindern, von Ellis Vater Gordon totgeschlagen zu werden.

Begonnen hatte seine Suche, weil er von Linda Fern. Das Pony ihrer neunjährigen, krebskranken Tochter Rachel wurde auf diese grausame Weise verstümmelt, und nun möchten sie zumindest wissen, wer es war, um Rachel weitere Alpträume zu ersparen.

Ellis hatte damals eine Sendung über dieses Thema gemacht, hatte alle Kinder zu Gast - und er war es auch, der den Kauf dieses Ponys vorgeschlagen hatte.

Bei Sids Recherchen stößt er immer wieder auf Ellis´ Namen - er war eingeladen, er hatte die Pferde bewundert - denn selbstverständlich wurde ihm, dem ehemaligen Jockey, jedes gute Pferd voller Stolz gezeigt.

Dann passiert neuerlich ein Anschlag. Sid wird sofort gerufen - und hat diesmal das Glück, aus dem verstockten Neffen der Besitzerin, Jonathan, einige wichtige Informationen zu erhalten. Archie Kirk, der Bruder der Besitzerin, ist im Staatsdienst tätig - und gemeinsam erreichen sie einen Untersuchungsbefehl, auf dem dann auch die Anklage gegen Ellis beruht.

Ab diesem Zeitpunkt startet die Hetzkampagne. Und nicht nur Sid beginnt sich zu fragen, wer eigentlich dahinter steckt. Er beginnt zu recherchieren.. Ein sehr spannender Krimi / Thriller.. Denn auch wenn von Beginn an klar war, wer der Täter ist, war die Frage nach dem Motiv, nach dem wie und die Suche nach Beweisen sehr eindringlich beschrieben.

Für mich bisher der beste Dick Francis!

Sehr gut gefallen haben mir die Beschreibungen der Ängste.. Sid leidet unter dem Alptraum, auch noch seine zweite Hand zu verlieren (die Linke ist aus Plastik) - und Rachel unter der Angst, zu sterben, oder ihr Pony nochmals so verstümmelt zu sehen. Diese Seite wurde ganz hervorragend geschrieben!

Andererseits, aber das ist mir so richtig erst aufgefallen, als ich das Buch zu Ende gelesen hatte und mir überlegte, was ich darüber schreiben könnte, hat mir an der Figur des Sid Halley die dunkle Seite gefehlt. Seine Schwächen werden zwar auch beschrieben - aber das sind nur Schwächen, die mit seinen Ängsten zu tun haben. Trotzdem bleibt er als Person immer treu, ehrlich und gut - er läßt sich durch nichts einschüchtern, durch nichts vom rechten Weg abbringen, wählt nie den leichten Weg. Und natürlich gelingt es ihm mühelos, zB den verstockten Jonathan zum Reden zu bringen, oder das Herz der kranken Rachel zu gewinnen. Es war wirklich klasse zu lesen, aber trotzdem.. Bleibt bei mir der leichte Nachgeschmack des allzuguten.

Und ein paar kleine logische Brüche sind mir aufgefallen: So wird zB zu Beginn immer von einer ganzen Reihe von Verstümmelungen erzählt, nicht nur den abgeschnittenen Pferdefüßen. Diese Tierquälerei wird nachher nicht einmal mehr erwähnt, geschweige denn aufgeklärt. Und das Motiv von Ellis, vor allem zu Beginn, war für mich auch nicht wirklich überzeugend.

Trotz allem: ich kann es wirklich jedem Freund spannender Literatur ans Herz legen!

Dick Francis

Dick Francis, geb. am 31.10.1920 als Richard Stanley Francis in Wales, war einst einer der bekanntesten Hockeys Englands, der auch für den Stall der Queen Mum antrat, bis 1956 ein Sturz seine Karriere beendete. "Scherben" war laut seiner eigenen Aussage sein letztes Buch, das er Königin Elisabeth, der Königinmutter, zum 100. Geburtstag gewidmet und erst auf ihre Bitte hin überhaupt noch geschrieben hatte. 2006 erschien dann aber ein weiterer Krimi, "Gambling / Under Orders", bereits in der Koautorschaft mit seinem Sohn Felix Francis. 3 weitere gemeinsame Romane folgten. Dick Francis verstarb am 14. Februar 2010 89jährig auf den Kaimaninseln, wo er zuletzt lebte, an Altersschwäche.

Auszug aus dem Titelverzeichnis / Rezensionen zu weiteren Büchern:


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