Dick Francis - Schnappschuß

Originaltitel: Blood Sport
Krimi. Diogenes 1998
363 Seiten, ISBN: 3257229879

Schon am ersten Morgen seines dreiwöchigen Urlaubs erhält Gene Hawkins einen Anruf seines Chefs Keebles - Familienausflug auf der Themse. Sehr ungewöhnlich, das findet auch die halberwachsene Tochter Lynnie, daß Keebles dazu einen Mitarbeiter einlädt. Noch ein Mann ist mit von der Partie - Dave Teller.

Ihm wurde vor einigen Tagen ein wertvoller Zuchthengst, den er gerade gekauft hatte, beim Heimtransport gestohlen. Und Gene, der ohnehin mit seinem Urlaub nichts Rechtes anzufangen weiß, den Selbstmordgedanken plagen, soll ihn wiederfinden. Ein wenig verlockender Vorschlag, den er dann auch ablehnt. Doch als später am Nachmittag ein kleiner Unfall auf der Themse ihre Hilfsbereitschaft fordert, und Dave dabei schwer verletzt wird, ändert er seine Meinung - er glaubt nicht an den Unfall.

Zwei bzw. zehn Jahre zuvor waren schon mal zwei Hengste verschwunden, die nie mehr aufgetaucht sind.

Von der Versicherungsgesellschaft erhält er Unterstützung durch Walt Prensela.

Glück, Zufall - und eine gründliche Recherche bringen ihn auf die Ranch von Yola und Matt - die beiden, die auch den Unfall auf der Themse arrangiert hatten. Yola erkennt ihn nicht wieder, und Matt ist nicht hier. Und: sie haben den Hengst!

Ihn ganz offiziell zurückzufordern wäre zu gefährlich - also tauschen Gene und Walt den Hengst gegen einen anderen, sehr gleich aussehenden aus. Ein Vorgehen, das Gene beinahe mit dem Leben bezahlt.

Einmal auf die Spur gebracht, glaubt Gene, auch die anderen zwei Hengste in diesem Dunstkreis finden zu können. Außerdem fehlt ihm immer noch das Motiv für den Anschlag auf Dave Teller.

Die Farm der Tellers soll von Lexington, Kenntucky, nach Santa Monica verlegt werden. Und dort findet sich auch der Grund: Der zukünftige Nachbar Culham James Offen ist zufällig der Onkel von Matt und Yola..

Doch der Preis die beiden Pferde zurückzuholen ist hoch, zu hoch! Spannend vom Beginn bis zum Schluß, mit lauter unerwarteten Wendungen, spritzigen Dialogen, sehr menschlichen Bildern - ein Klassekrimi!

Gene Hawkins ist ein Held, der sich nicht immer unbedingt ans Gesetz hält, dem das Ziel wichtiger ist als der Weg, der dahin führt. Und er hat eine beinahe schon übertriebene Fähigkeit: er kann sich in seine Umwelt einfühlen, fast schon Gedankenlesen. Menschlich wird er vor allem durch seine unerträgliche Einsamkeit, seine Selbstmordgedanken - und die aufkeimenden Gefühle für Lynnie.

Nach "Fehlstart", "Zügellos" und "Favorit" war das mein vierter (und auch ältester) Dick Francis, den ich gelesen habe - und meiner Meinung nach auch der Beste!

Dick Francis

Dick Francis, geb. am 31.10.1920 als Richard Stanley Francis in Wales, war einst einer der bekanntesten Hockeys Englands, der auch für den Stall der Queen Mum antrat, bis 1956 ein Sturz seine Karriere beendete. "Scherben" war laut seiner eigenen Aussage sein letztes Buch, das er Königin Elisabeth, der Königinmutter, zum 100. Geburtstag gewidmet und erst auf ihre Bitte hin überhaupt noch geschrieben hatte. 2006 erschien dann aber ein weiterer Krimi, "Gambling / Under Orders", bereits in der Koautorschaft mit seinem Sohn Felix Francis. 3 weitere gemeinsame Romane folgten. Dick Francis verstarb am 14. Februar 2010 89jährig auf den Kaimaninseln, wo er zuletzt lebte, an Altersschwäche.

Auszug aus dem Titelverzeichnis / Rezensionen zu weiteren Büchern:


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