Paula Fox - Was am Ende bleibt

Originaltitel: Desperate Characters
Roman. dtv Der TaschenbuchVerlag 2000
187 Seiten, ISBN: 3423129719

Ein kinderloses Ehepaar aus der New Yorker Mittelschicht, schon etwas über 40, in den 60er Jahren - das ist die Ausgangslage der hier erzählten Geschichte.

Sophie füttert entgegen der Warnungen ihres Mannes eine streunende Katze - und wird prompt gebissen. Auch wenn sie diese Verletzung anfangs als belanglos abtut - sie verändert sie dennoch. Plötzlich taucht die Angst vor der Tollwut auf - Sophie hat das Gefühl, diese Wildheit hätte nicht nur ihre äußere, sondern auch ihre innere Haut verletzt. Verstärkt stellt sie außerdem fest, wie verwahrlost die Gegend plötzlich ist, in der sie leben, welche Gewalt auch hier Einzug herrscht; der Stein, der in das Schlafzimmer eines Freundes geworfen wird, ist nur sichtbares Symbol.

Auch Otto, ihr Mann, ist beunruhigt und verunsichert; er hat sich soeben von seinem langjährigen Anwaltspartner und Schulfreund getrennt, kann ihrer beider beruflichen Weg nicht mehr gemeinsam gehen. Doch so einfach ist die Trennung von einem langjährigen Vertrauten nicht; wie am Ende einer Ehe kommen auch hier plötzlich Eifersüchteleien, schlechte Nachrede, Schuldzuweisungen zu Tage.

Um Sophie zu besänftigen, ihr die Unruhe vor der Diagnose Tollwut oder nicht zu nehmen, beschließen sie einen Ausflug in ihr Landhaus. Doch auch hier hat die heile Welt einen irreparablen Schaden genommen....

Ein sehr unprätentiöses, stilles Buch - eines von der Sorte, denen ich in einer heimlichen Liebe zugetan bin.

Was geschieht, ist sehr alltäglich: Eine Frau wird von einem streunenden Tier gebissen und fängt an, sich dennoch zu sorgen - und dabei sich und ihr Leben in Frage zu stellen. Ihre einige Jahre zurückliegende Affäre kommt ihr wieder in den Sinn, die Gleichförmigkeit und ritualisierte Gegenwärtigkeit ihrer Ehe; plötzlich merkt sie, dass die Unterwäsche, die ihr Mann trägt, auch schon abgenutzt ist wie auch die Gefühle, die sie hegen.

Und doch kann man dieses leichte Unwohlsein der Protagonisten, das sich mehr und mehr steigert, hautnah nachfühlen; mit wenigen, sehr einfach gewählten Worten gelingt es ihr, die Unruhe zu vermitteln.

In den USA ist dieses Buch 1970 das erste Mal erschienen, wurde auch sehr erfolgreich verfilmt - und fiel anschließend der Vergessenheit anheim. Nach James Salter wurde nun auch Paula Fox sowohl für das amerikanische als auch für das europäische Publikum wiederentdeckt. Zum Glück!

Paula Fox

Paula Fox wurde 1923 in New York City geboren, wo sie noch heute lebt. Von ihr sind sechs Romane und zahlreiche Kinderbücher erschienen. Für das Gesamtwerk ihrer Kinderbücher wurde sie 1978 mit dem Hans- Christian- Andersen-Preis ausgezeichnet

Auszug aus dem Titelverzeichnis / Rezensionen zu weiteren Büchern:


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