Mario Fortunato - Die Liebe bleibt

Originaltitel: L´amore rimane
Roman. Wagenbach Verlag 2002
179 Seiten, ISBN: 3803131766

Am Morgen des 10. November 1929 wird ein Mann in dem kleinen Städtchen C. erschossen aufgefunden. Der einzige, der Grund gehabt haben könnte, den beliebten jungen Kinderarzt ein Leid antun zu wollen, war Elia Skiaki, mit dem er die Vorliebe für ausgefallene Opern teilt - und mit dessen Frau er sich leidenschaftlich über Literatur austauscht.

Oder war doch Politik im Spiel? Oder aus welchem Grund hätten die Frauen des Städtchens sonst die Ermittlungen so lange wie möglich aufhalten sollen?

Bei der Verhandlung wird Elia Skiaki freigesprochen. Neun Monate später wird dem Ehepaar eine weitere Tochter geboren, eine Nachzüglerin.

Noch Jahre später ist der Schatten spürbar, der sich damals auf das Leben der Familie gelegt hat; oberflächlich hat sich zwar nichts verändert, doch der Riss ist spürbar. Trotz der Sommerhitze kann Lea sich nicht überwinden, zu ihren Töchtern in die kühleren Berge zu fahren.

Träge Tage in den Bergen; Anna, die jüngste Skiaki mit ihren Schwestern, deren Männern, den Kindern - die Zeit scheint aufgehoben zu sein, und was am letzten Abend geschieht, bringt das Familiengefüge erneut durcheinander...

Was wirklich geschehen ist an jenem 10. November - das erfährt der Leser nicht. Aber eigentlich ist das dann auch gar nicht mehr so wichtig - viel mehr zählen die kleinen Stimmungsbilder, die so gut das fragile Gefüge einer Familie wiederspiegeln, die trotz aller Probleme zusammenhält, wenn es darauf ankommt.

Immer dann, wenn der Autor sich Zeit lässt beim Erzählen, dann wird auch spürbar, was den Titel des Buches ausmacht: Die Liebe. Aber die vielen Perspektivenwechsel und Stilbrüche haben bei mir dazu geführt, dass ich mich nicht ganz auf das Buch einlassen konnte.

Doch trotz der leichten Gereiztheit, die mich beim Lesen dann und wann befiel, wenn schon wieder ein Schleier mehr über das Geschehen gelegt wurde, anstatt ihn zu lüften, oder wenn mir der sachliche Stil in den amtlichen Passagen missfiel - es ist ein Buch, das gerade aufgrund der Tatsache, dass nichts ausgesprochen wird, noch länger nachwirkt. Den Autor werde ich auf jeden Fall im Auge behalten.

Mario Fortunato

Mario Fortunato, geboren 1958 in Cirò, in der Nähe von Cantanzaro. Lebt heute als Leiter des Italienischen Kulturinstituts in London und schreibt für L´Espresso und La Stampa.

Auszug aus dem Titelverzeichnis / Rezensionen zu weiteren Büchern:


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