Originaltitel: Like Plastik
Roman. S. Fischer Verlag 1998
460 Seiten, ISBN: 310021112X

Howard ist zurückgekommen. Vor zwei Jahren war er gegangen - einfach so, war aus dem Kaufhaus, in dem er mit seiner Frau einkaufen war, nach draußen gegangen und nicht mehr zurückgekommen. Hatte sich vom Justitiar der Firma, die er gemeinsam mit seinem Vetter Charlie geleitet hatte, mit Geld versorgen lassen, und war ziellos von einem Ort zum nächsten gereist.
Doch nun war er zurück - er fühlte sich gut, sogar sein Haar war nachgewachsen. Seine Frau hatte ihm in der Zeit seiner Abwesenheit einige Briefe geschrieben, hatte erzählt, dass die Tochter erfolgreich studieren würde, sein autistischer Sohn seine Verbarrikadierung im Zimmer aufgegeben hätte - und nun erfährt er, dass seine Mutter im Sterben liegt, sein Sohn nach wie vor von niemandem gesehen wird, und dass in der Firma auch vieles im Argen liegt.
Er nimmt sein Leben wieder auf, will alles besser machen, will den Betrieb wieder auf Vordermann bringen; doch hier läuft er gegen eine Wand. Denn längst schon hat Charlie alles mögliche versucht, alle Firmenanteile in seine Hand zu bekommen, um zu verkaufen.
Und zu Hause, die Wiedereingliederung in die Familie - er merkt, dass die geschlossene Tür vor dem Zimmer seines Sohnes zum Beichtstuhl geworden ist, dass nicht nur die Familienmitglieder dorthin pilgern, um Simon ihre geheimsten Gedanken anzuvertrauen.
Er beschließt, den Kampf gegen Charlie aufzunehmen - bei einem alles entscheidenden Tischtennisturnier erhält er jedoch, kurz vor dem Durchbruch, eine Nachricht, die ihn alles hinwerfen lässt....
Ein starker Anfang - ein Mann kommt zurück, nachdem er seine Familie verlassen hatte, die Firma, aufgebaut von seinem Vater, dümpelt dahin - und die Familiengeschichte liest sich wirklich gut, die verschiedenen Charaktere der diversen Onkel, Großväter, ist zwar nicht außergewöhnlich, aber fesselnd.
Dann ist da noch Howards Mutter, die mehrere Schlaganfälle erlitten hat, deren geistige Anwesenheit von den meisten nicht mehr vermutet wird, die von David Flusfeder aber sehr berührend beschrieben wird. Denn die alte Frau lernt auf ihrem Krankenbett noch zu rauchen, angestiftet von ihrem Pfleger, der ihr als Bezahlung dafür ihren gesamten Schmuck abnimmt.
Und dann ist da noch Simon, der die Umwelt nicht erträgt, der aber heimlich das Haus doch immer mal wieder verlässt, zu dem alle kommen, obwohl er nie auch nur ein Wort sagt.
Nur gegen Ende hin wird die Geschichte immer wirrer, hektischer - das Ende kommt einfach zu plötzlich.
Aber ein gutes Sommerlesebuch!
David Flusfeder, geboren 1960 in den USA, lebt in London. Nach dem Studium der Philosophie und Literatur hat er ua in einem Gefängnis Creative Writing unterrichtet und ein Kino in New York geleitet. Er ist regelmäßiger Rezensent des "Times Literary Supplement".
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Wozu ist der Mensch aus Liebe fähig? Welche Taten werden im Namen der Liebe begangen? Das ist ein Thema, das den spanischen Erfolgsautoren Javier Marias (Mein Herz so weiß) in seinen Romanen immer und immer wieder behandelt. Auch in seinem neuen Roman, der steht dieses Thema im Vordergrund und wird gewohnt ausschweifend behandelt. Wer diesen Stil mag, wird auch diesmal wieder genug Gelegenheiten haben, sich an Sprache und Wendungen zu erfreuen. An "Mein Herz so weiß" kommt er damit aber nicht heran. [..MEHR..]
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