Wolfram Fleischhauer - Die Frau mit den Regenhänden

Originaltitel: Die Frau mit den Regenhänden
Roman. Droemer 1999
488 Seiten, ISBN: 3426617277

Klappentext: Paris im Frühjahr 1867, wenige Tage vor der Eröffnung der Weltausstellung. Aus der Seine wird die Leiche eines Kindes geborgen. Die Mutter wird des Mordes angeklagt. Sie leugnet hartnäckig und behauptet, ihren acht Monate alten Sohn mit starkem Fieber ins Krankenhaus Lariboisiere gebracht zu haben. Doch dort weiß niemand von dem Kind. Ihr Pflichtverteidiger ist von der Schuld der Mutter überzeugt, bei seinen Nachforschungen stößt er jedoch auf Ungereimtheiten. Plötzlich interessieren sich mächtige Regierungskreise für diesen scheinbar alltäglichen Fall. Entlastendes Material wird unterschlagen, Zeugen verschwinden. Vor dem Hintergrund der Weltausstellung beginnt ein Wettlauf gegen die Zeit.


O.g. Geschichte ist eingebettet in eine Geschichte Anfang der 90er dieses Jahrhunderts. Ein deutscher Doktorand arbeitet in Paris an seiner Diss über das Weltausstellungsgebäude von 1867 (... damals reichte noch eins...). In der Bibliothek fällt ihm eine Frau auf, die an einem Buch über eben die Geschichte mit dem toten Kind arbeitet. Nach vielem Hin und Her kommen sie sich näher und er erfährt, warum sie sich für diese Geschichte interessiert.

Soweit alles schön und gut. Die Konstruktion mit der eingebetteten Geschichte ist nichts Neues. Leider ist die Umsetzung mangelhaft wie ich finde. Für mich gehört dieses Buch, nicht die Geschichte an sich, auf die Liste der überflüssigen Bücher.

Schon von Anfang an hat mich der Ich-Erzähler gestört, ständig jammert er rum, kann sich zu nichts entschließen und dauernd ordnet er seine Notizen (so kann das mit der Diss nix werden..). Als er von seinem Prof den Auftrag bekommt, auch etwas über das Kaiserreich zu schreiben, nicht nur über die Architektur, bekommt man seitenweise Historie serviert, dabei ist es für den Lauf der Geschichte wirklich völlig uninteressant, welche Interessen der Kaiser in Mexiko verhalten hat. Zumindest nicht in dieser Ausführlichkeit. Ein paar Infos dazu und zu der innenpolitischen Situation hätten auch gereicht.

Den Zusammenhang zwischen den beiden Zeitebenen kann man sich auch nur denken, da die Frau erst im letzten ca. Viertel des Buches erzählt, was sie eigentlich schreibt. Außerdem werden einige Dinge aufgeworfen, die den Leser irritieren und bei mir den starken Wunsch nach Aufklärung aufgeworfen haben, aber sie bleiben ohne weitere Erklärung im Raum stehen. Und dabei hatte ich bei mindestens einer Sache immer das Gefühl, es könne gut mit dem toten Kind zusammenhängen.

Nachdem sich die Sache mit dem Kind dann "geklärt" hat, das Kind war an der Cholera erkrankt und ist daran gestorben, wird diese Geschichte kommentarlos abgebrochen, ohne Erklärung, was mit Mutter und Bruder danach passiert.

Denn dann kommt, was - so hatte ich den Eindruck - das eigentliche Anliegen des Autors war bzw. während des Schreibens wurde.

Die Frau, die die Geschichte recherchiert ist nämlich HIV-positiv. Die Geschichte der Forschung dazu wird präzise und knapp dargestellt, auch, wie die Betroffenen in der Zeit unter dem Machtgerangel der Forscher zu leiden hatten (nicht, daß das heute viel anders wäre, aber damals waren sie auch noch eine Gruppe, die eigentlich niemanden interessiert hat).

Die Frau sagt, sie schreibe "ihre Geschichte", in Bezug auf die Behandlung von Kranken in der Zeit einer Diktatur zur Behandlung der HIV-Kranken zu Beginn der Forschung. Diesen Bezug finde ich allerdings wenig gelungen, da es bei der Cholera um die Unterdrückung einer "unangenehmen Sache" ging, die die Touristen abhalten könne. Der Vergleich der Vertreibung von Bettlern und Drogenabhängigen aus Hannover während der Expo hätte da einen wesentlich besseren Bezug ergeben.

Alles in allem fehlt mir in diesem Buch so ziemlich jeder innere Zusammenhang, ein sauberer Abschluß der Handlungsstränge und das mit dem "Krieg" zwischen den US- Forschern und dem Institute Pasteur wurde z.B. von Herve Guibert als Betroffenem wesentlich besser dargestellt. Es ist mir völlig unverständlich, daß dieses Buch gute Rezis bekommen hat.

Wolfram Fleischhauer

Auszug aus dem Titelverzeichnis:





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