Richard Flanagan - Goulds Buch der Fische

Originaltitel: Gould´s Book of Fish
Roman. Berlin Verlag 2002
460 Seiten, ISBN: 3827004772

Eines kann ich mit Sicherheit sagen: "Goulds Buch der Fische" ist mit Abstand das schönste, am aufwändigsten gestaltete und gedruckte Buch, das ich seit langem in Händen hielt. Auch der Anfang ist vielversprechend: ein Hammet findet in einem Antiquariat ein seltsames Buch, dessen Umschlag phosphorizierend schimmert. Wunderbare Fischzeichnungen findet er darin - und Geschichten, die auf jedem verfügbaren Quadratzentimeter des restlichen Platzes geschrieben wurden, mit verschiedenen Tinten, übereinander, in den Zeilenzwischenräumen, quer drüber ... Und immer dann, wenn er eigentlich dachte, jetzt alles gelesen zu haben, fand sich eine weitere Geschichte, ein bislang übersehener Zettel, der dazwischen geschoben war, eine Rückseite, die noch nicht gelesen war.

Für jemanden wie Hammet, der sich seinen Lebensunterhalt mit dem Fälschen von Antiquitäten verdient, war klar, dass er diesmal etwas Echtes gefunden hatte, etwas historisches - doch niemand wollte ihm die Echtheit bezeugen, keiner an die Geschichte glauben, die Gould hier hinterlassen hatte. Schließlich stand es in den Geschichtsbüchern anders geschrieben.

Und dann ist das Buch auf einmal weg. Nur eine Pfütze bleibt übrig. Und Hammet versucht, die Geschichten wieder aufzuschreiben...

Ab diesem Zeitpunkt hat mir das Buch dann leider nur noch optisch gefallen. Ich konnte mich einfach nicht mit der kruden Schreibweise anfreunden, mit der überbordend bildhaften Sprache - und vor allem mochte ich die Geschichten nicht, die erzählt wurden.

Dabei bin ich überzeugt davon, dass vor allem die Literaturwissenschaftler ihren Spaß an diesem Buch haben werden; es wimmelt nur so von literarischen Zitaten, Anspielungen und Stilwechseln.

Mir persönlich blieb dann aber trotzdem eher die Freude an der wunderbaren Verarbeitung dieses Buches; ein Vergnügen alleine schon, die Seiten anzufassen, über die Blätter zu streichen, daran zu riechen - schon alleine, um dieses Genusses willen lohnt es sich, das Buch zu haben. Nur lesen möchte ich es nicht mehr…

Richard Flanagan

Richard Flanagan wurde 1961 auf der australischen Insel Tasmanien geboen. 1991 schloss er sein Geschichtsstudium in Oxford ab. 1994 erschien sein erster Roman "Death of a River Guide"; 1997 folgte "The Sound of One Hand Clapping". Beide Bücher wurden mehrfach mit wichtigen Literaturpreisen ausgezeichnet. Goulds Buch der Fische erschein 2001 in Australien und 2002 in den USA.

Auszug aus dem Titelverzeichnis / Rezensionen zu weiteren Büchern:


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