Anne Fine - Killjoy

Originaltitel: Killjoy
Roman. Diogenes 2000
230 Seiten, ISBN: 3257219172

Ian Laidlaw ist Vorsteher der Fakultät für Politikwissenschaft an einer schottischen Universität. Er ist bekannt als ruhiger, ausgeglichener, höflicher Mensch.

Bei einer seiner Vorlesungen passiert es plötzlich, daß die Studentin Alicia Davie ihm mitten ins Gesicht lacht - was ihn in einer plötzlichen Answandlung von Sadismus dazu bringt, ihr einen furchteinflößenden Blick auf seine häßliche, von Narben verunstaltete Gesichtshälfte zuzumuten. Ihre spontane Reaktion - eine Ohrfeige.

Ian kennt - aufgrund seiner abstoßenden Häßlichkeit - keine ungezwungenen Reaktionen. Ihm wird mit ausgesuchter Höflichkeit begegnet - eine Höflichkeit, die auch sehr ausgrenzend wirkt. Alicias Verhalten fasziniert ihn, er beginnt, alles über sie herauszufinden und sie zu verfolgen.

Er lädt sie zum Essen ein - und sie kommt und bleibt. Er verfällt ihr vollkommen; und sie ist von seiner Häßlichkeit fasziniert, sexuell erregt.

Als Alicia während der Weihnachtstage nach Hause fährt, überfällt Ian ein Anfall von rasender Eifersucht, er bricht in ihre Wohnung ein und durchstöbert ihre Sachen. Als sie wieder zu ihm zurückkommt, beginnt er, sie zu quälen, zu foltern, und ihr alle Geheimnisse ihrer Kindheit und Jugend zu entreißen.

Seine Methoden werden immer grausamer, er hält sie in seiner Wohnung gefangen. Als eines Abends ein Kollege vorbeikommt, und die beiden ausgerechnet in einem Pub landen, daß dem Vater seines Nebenbuhlers gehört, gerät alles außer Kontrolle..... Ein tolles Buch! Die Schilderung Ians, seiner Häßlichkeit, ist absolut nachvollziehbar und beeindruckend. Plötzlich fühlt man sich selbst in dieser Isolation gefangen. Ian erzählt seine Geschichte einem Polizisten - es ist also ein einziger langer Dialog, in dem er die Geschichte seiner Obsession darstellt. Er legt seine Argumente, warum er Alicia quälen mußte, und welchen Genuß ihr diese Qualen doch eigentlich bereitet hätten dar, jede seiner Handlungen scheint zwingend notwendig zu sein. Man gerät selbst in den Strudel, seine Schlußfolgerungen als logisch zu betrachten, und das finde ich wirklich besonders beeindruckend!

Ich konnte nicht mehr aufhören zu lesen. Die Gefühle des Mannes sind unheimlich und abstoßend - und trotzdem faszinierend und fesselnd.

Wer Psychospannung und eine gut geschriebene Geschichte schätzt, sollte das Buch unbedingt lesen!

Anne Fine

Anne Fine wurde1947 in Leicester, England, geboren. Sie studierte Geschichte und Politikwissenschaft und lebte in Kanada und den Vereinigten Staaten. Heute wohnt sie in Durham, England.

Auszug aus dem Titelverzeichnis / Rezensionen zu weiteren Büchern:


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