Originaltitel: Meine Mutter zu Wasser und zu Lande
Erzählung(en). Atrium Verlag 2010
218 Seiten, ISBN: 3855353735


"Meine Mutter setzte alles auf eine Karte. Und diese Karte war ich."
Dieser Satz sagt schon viel aus über das Verhältnis von Mutter und Sohn. Ida Kästner hat schwer geschuftet, um ihrem Sohn eine gute Ausbildung ermöglichen zu können; er dankt es ihr indem er ihr immer wieder mit den Muttergestalten in seinen Geschichten und Gedichten ein Denkmal setzt. Doch Kästner ist sich der Bürde, die mit dieser Aussage einhergeht, nur zu bewusst; er ist alles für seine Mutter, und kann doch nicht ihr Leben für sie leben.
Die bekannten Muttergedichte Kästners dürfen in diesem Band nicht fehlen. "Stiller Besuch" etwa beschreibt, wie sie zwar da ist, und bald wieder abreisen wird, aber trotzdem keine rechte Nähe aufkommen mag zwischen ihnen, weil der Sohn sich entzieht; oder das bekannte Poem, in dem er von der Klage der Mutter berichtet, er möge doch häufiger schreiben, und nicht nur die Wäsche schicken. Und außerdem wäre da doch dieses junge Mädel…
Diese Gedichte waren mir eigentlich alle schon bekannt, aber es war schön, sie nochmal so gesammelt vorzufinden.
Von den Geschichten kannte ich die eine oder andere noch nicht, allen voran dem sehr autobiographisch gefärbtem Bericht von der schwer arbeitenden Mutter, die ihrem Sohn ja zugestehen will, ihr zu helfen, die aber trotzdem hinter ihm herfahren muss, weil der Verkehr doch so gefährlich ist und auch sonst so viel Verderben auf ihn lauert.
Aber den Hautanteil boten für mich die vielen Briefe, die zwischen Mutter und Sohn gewechselt wurden. Oft sind es nur kurze Notizen, dann wieder ausführliche Episteln, aus denen ich als Leser auch sehr viel über Kästners Lebensumstände zu jener Zeit erfahren habe. Es war mir zwar bekannt, dass er es als einziger Schriftsteller, dessen Bücher verboten waren, in Deutschland blieb, aber um nähre Details hatte ich mich nie gekümmert.
Dieses Büch, diese Hommage an seine Mutter, hat in mir jedenfalls das Interesse geweckt, mehr über die Person Kästner zu erfahren.
Erich Kästner, geboren am 23. Februar 1899 in Dresden, studierte nach dem Ersten Weltkrieg Germanistik, Geschichte und Philosophie. 1925 Promotion. Neben schriftstellerischer Tätigkeit Theaterkritiker und freier Mitarbeiter bei verschiedenen Zeitungen. Während der Nazizeit Publikationsverbot. Von 1945 bis zu seinem Tode am 29. Juli 1974 lebte Kästner in München und war dort ua. Feuilletonchef der "Neuen Zeitung". Zum 100. Geburtstag
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