Friedrich Dönhoff - Der englische Tänzer: Ein Fall für Sebastian Fink

Originaltitel:
Krimi. Diogenes 2010
292 Seiten, ISBN: 325724018X

Theaterleichen sind eigentlich nicht Sebastian Finks Fall. Meist sterben sie nur theatralisch, werden beklatscht und verbeugen sich danach - kein Grund für ihn, nach Schuldigen zu ermitteln. Doch diesmal wird er ins Musicaltheater an der Reeperbahn gerufen, weil dort angeblich eine Leiche von der Kuppel hängt - die allerdings, bis das Team dort eintrifft, schon wieder verschwunden ist. Kein Grund zur Sorge, meint der Theaterdirektor dann auch. Die angebliche Zeugin, eine Physiotherpeutin, sie dafür bekannt, öfter mal Gespenster zu sehen.

Doch kurz darauf findet man einen der Tänzer tot auf. Und es bleibt nicht die einzige Leiche.

Schauspieler sind es gewohnt, sich zu verstellen - doch das ist nicht der einzige Grund, warum das Team um Sebastian Fink keinen rechten Anhaltspunkt findet. Alle Spuren führen in Sackgassen, und es wird zwar viel schmutzige Wäsche gewaschen und finanzielle Desaster offengelegt, aber das Tatmotiv bleibt lange im Dunkeln.

Mit Ruhe und Beharrlichkeit trotz erheblichen Drucks durch seine Vorgesetzte findet Fink dann doch den Schlüssel zu den Gewalttaten…

Friedrich Dönhoff hat mit Sebastian Fink einen sehr sympathischen und erfrischend normalen Ermittler geschaffen. Weder muss der Leser dauernd mit ihm auf kulinarische Streifzüge gehen, noch sämtliche verfügbare Alkoholika vernichten. Nein, Fink geht zum Dienst, er hat sogar ab und an Feierabend und so etwas wie ein Privatleben, er kümmert sich um den Sohn seiner Mitbewohnerin - die in diesem Buch eine recht eigenwillige Beziehung eingeht und Fink dadurch auch die eine oder andere Sorge zusätzlich bereitet.

Kurzum: Sebastian Fink ist ein Mensch wie du und ich, der eben zum Broterwerb Mörder dingfest macht. Zur Lösung führt ihn zwar eine gute Portion Intuition und Menschenkenntnis, aber keine weit hergeholten Wunder, sondern genaues Zuöhren und ein ausgezeichnetes Gedächtnis. Kurzum: ein deutscher Krimi, den man gut lesen kann, und mit Hamburg auch ein noch wenig ausgereizter Krimischauplatz. Ich freue mich auf Band 3!

Friedrich Dönhoff

Geboren 1967 in Hamburg, in Kenia aufgewachsen. Nach seinem Studium der Geschichte und Politik und der Ausbildung zum Drehbuchautor hat er sich als Autor von Biographien sowie dem Bestseller "Die Welt ist so, wie man sie sieht" einen Namen gemacht.

Auszug aus dem Titelverzeichnis / Rezensionen zu weiteren Büchern:


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