Karen Duve - Regenroman

Originaltitel: Regenroman
Roman. List Verlag 1999
299 Seiten, ISBN: 354860028X

Ein Schnäppchen ist es, dieses Haus auf dem Land - da ist Leon sich sicher. Außerdem kann er es sich von seinem neuen Geldsegen geradeso leisten - denn Geld von seiner Frau Martina anzunehmen kommt nicht in Frage.

Verdient ist dieses Geld allerdings noch nicht - es handelt sich nur um einen Vorschuss. Er soll dafür die Biographie eines Boxers aus dem Rotlichtmilieu schreiben; und zwar nach dessen Wünschen. Hier am Land, da ist Leon sich sicher, wird das in kürzester Zeit geschehen sein.

Doch er hat nicht damit gerechnet, dass es hier permanent regnen würde. Und dass er ständig irgend etwas am Haus richten muss, weil nichts, aber auch wirklich NICHTS funktioniert. Außerdem ist in den wenigen Momenten, da die Wolkendecke aufreißt, auch zu erkennen, dass es sich nicht wirklich um ein völlig abgeschiedenes Haus handelt - hinter dem Moor wohnen noch zwei Schwestern. Die wären etwas seltsam, schrullig, erzählt man sich im Dorf. Aber ihre Bekanntschaft zu schließen, darauf legen weder Leon noch Martina großen Wert.

Aber verhindern können sie den Besuch von Kay und Isadora auch nicht. Unterschiedlicher können Schwestern kaum sein - maskulin und praktisch veranlagt die eine, unheimlich dick und mythisch die andere - die auch noch ziemlich offenkundige Absichten bei Leon hegt. Aber bei diesen Besuchern bleibt es nicht - nein, auch Leons Auftraggeber taucht im kleinen Dörfchen auf. Das, was Leon bisher aus seiner Biographie gemacht hätte, wäre nicht lesbar, ist der stolze Boxer überzeugt.

Beim zweiten Besuch des Boxers eskaliert die Situation dann endgültig. Wie gut, dass das Moor Dinge, die es verschluckt hat, nicht so schnell wieder hergibt...

Hochgelobt wurde dieser Roman von den deutschen Feuilletons. Und wieder einmal geht der Grund für diese einhelligen Lobeshymnen an mir vorbei.

Ja, der Einstieg in die Geschichte und die Wetterbeschreibungen sind wirklich gut und schrecklich anschaulich beschrieben. Man spürt es beim Lesen förmlich, wie es regnet und nieselt und plätschert und dampft und tröpfelt; wie nach ein paar Sonnenstrahlen schon wieder Schauer angesagt sind, wie nass das Gras, das Holz, das Haus sein müssen. Aber leider ist die Geschichte selbst ziemlich langweilig und dann auch noch dramaturgisch schlecht dargestellt. Zum Schluss fragt man sich: hatte das jetzt irgendeinen Sinn? Nein. Hat es mich unterhalten? Nicht wirklich. Ein Buch, das ich nur den Lesern empfehle, die unter unerträglicher Hitze stöhnen und sich einen kleinen Regenguss wünschen.

Karen Duve

Karen Duve, 1961 in Hamburg geboren, lebt mit ihrer Englischen Bulldogge in Brunsbüttel.

Auszug aus dem Titelverzeichnis:





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