Friedrich Dürrenmatt - Das Versprechen

Originaltitel: Das Versprechen
Krimi. Diogenes 1958
157 Seiten, ISBN: 3257228120

Matthäi war eigentlich nur noch mit einem Fuß in Zürich; er war - obwohl er eigentlich der logische Nachfolger des in Pension gehenden Vorgesetzten gewesen wäre - nach Jordanien befördert worden, um die dortige Polizei zu reorganisieren.

Doch dann kam der Anruf - ein Mord, an einem kleinen Mädchen, kein anderer fähiger Beamter greifbar, also nahm er sich selbst der Sache an. Ein Fall, der völlig klar erschien - ein Mädchen war getötet worden, ein Hausierer, der vorgab, sie gefunden zu haben, der wahrscheinliche Täter. Für die Bevölkerung des kleinen Dorfes ist er das zumindest; sie wollen Gerechtigkeit, drohen, das Mädchen notfalls selbst zu rächen.

Gerechtigkeit, das wünsche sie, war alles, was die Mutter des ermordeten Kindes zu Matthäi sagte; ob er ihr das versprechen könne?

Der Gerechtigkeit schien rasch Genüge getan; einige Stunden später hatte von Gunten gestanden, sich danach in seiner Zelle erhängt, der Fall war abgeschlossen. Für alle - außer für Matthäi. Der wusste im tiefsten Innersten, dass es da noch mehr geben musste, dass da ein anderer Täter am Werk war, und wahrscheinlich wieder morden würde - heute, morgen, vielleicht erst in einem Jahr.

Statt ins Flugzeug zu steigen, verbeißt er sich weiter in den Fall, steigt aus dem Polizeidienst aus und pachtet eine Tankstelle auf dem Weg, auf dem, so kalkuliert er, der Täter früher oder später vorbeikommen muss. Und dann wird er das kleine Mädchen sehen, das die Frau, die Matthäi eingestellt hat, mit ins Haus gebracht hat...

Eingebettet in einen Diskurs darüber, dass der Zufall für Krimi-Schreiber nicht zu existieren scheint, dass es in Büchern mit Logik und Beharrlichkeit gelingt, anhand der Fakten den Täter zu überführen und seiner gerechten Strafe zuzuführen, wohingegen in der Wirklichkeit alles Wissen und Forschen vergeblich sein kann.

So gelingt es auch Matthäi letztendlich nicht, seinen Fall wirklich aufzuklären, obwohl die Spur, die er verfolgt, richtig war, die Falle beinahe zugeschnappt wäre - wenn da nicht der Zufall noch seine Hand im Spiel gehabt hätte.

Vor dem Buch gab es einen Film, zu dem Dürrenmatt das Skript lieferte; als er die Vorlage aber zum Roman überarbeitete, änderte er den Schluss in eine pessimistischere Richtung.

So interessant die eigentliche Handlung in diesem Buch auch ist - gelesen habe ich es nur mit mittelmäßiger Begeisterung. Denn um dieses Knochengerüst Handlung herum fehlte mir das Fleisch, die psychologischen Entwicklungen, das Erzählte, um eine wirklich runde Geschichte daraus zu machen.

Friedrich Dürrenmatt

Friedrich Dürrenmatt, 5.1.1921 bei Bern geboren, 14.12.90 gestorben. Weltberühmt wurde er vor allem mit seinen Theaterstücken "Die Physiker" und "Der Besuch der alten Dame"

Auszug aus dem Titelverzeichnis / Rezensionen zu weiteren Büchern:


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