John von Düffel - Vom Wasser

Originaltitel: Vom Wasser
Roman. dtv Der TaschenbuchVerlag 1998
284 Seiten, ISBN: 3423127996

Von Orpe und Diemel eingeschlossen ist ein kleines Stück Land; die Missgunst. Ein abschreckender Name - doch der Ururgroßvater lässt sich davon nicht abhalten, er nutzt das schwarze Wasser der Diemel, um damit blütenweißes Papier zu gewinnen, er trotzt es dem Wasser ab.

Doch der Harkemann, vor dem die kleinen Kinder gewarnt werden, lässt sich nicht ungestraft in seiner Ruhe stören - er holt sich den Ururgroßvater eines Abends, als dieser von einem feuchtfröhlichen Abend nach Hause fährt.

Die Papierfabrik auf der Missgunst weiterzuführen ist nicht einfach - der Urgroßvater mit seiner stillen, den Zahlen zugewandten Art unterscheidet sich stark von seinem Vorgänger.

Aber er schafft es, er errechnet sich Vertrauen und Respekt seiner Mitarbeiter, vor allem, nachdem er ihnen den Krieg kleingerechnet hatte, um zu verhindern, dass sie alle zu Kriegsfreiwilligen würden.

Aufwärts geht es, stetig aufwärts - zwei Erben wachsen heran, blond, stark, vital. Und heldenmütig - sie lassen sich den nächsten Krieg, der bald folgt, nicht klein rechnen, sie wollen dabei sein. Und so muss der Auftrag an den dritten Sohn, der bislang in der Rechnung gar nicht auftauchte, weitergegeben werden - an ihn, den Krüppel, der eigentlich Maler werden wollte....


Ein Buch zu lesen, über das man von rundherum nur lobende Worte gehört hatte, ist immer kritisch. Wahrscheinlich ist die Erwartungshaltung dann sehr hoch - in diesem Fall wurde sie jedenfalls enttäuscht.

Es ist nicht so, dass ich das Buch nicht mochte, dass es keine Szenen gab, die ich gelungen fand.

Bei längerem Nachdenken fallen mir da einige ein; wunderbar zum Beispiel wie geschildert wird, wie die Großmutter (damals noch die Küchenmagd) die frisch gefangenen Fische ausnimmt, sie säubert mit ihren geschmeidigen, kräftigen Händen - und wie sie und der Großvater sich dabei langsam näher kommen. Oder wenn der Urgroßvater seinen Arbeitern und auch dem Offizier der Wehrmacht den Krieg "klein rechnet" - bemerkenswert.

Aber insgesamt fehlt dem Buch in meinen Augen der Tiefgang. Die Figuren werden nur schemenhaft gezeichnet, bleiben seltsam blutleer; alles wird so überaus intensiv beschrieben, und vor allem so häufig wiederholt - es bleibt kein Spielraum mehr für die Fantasie.

Alles in allem ein Buch, das dahinplätschert wie Wasser, aber keinen bleibenden Eindruck hinterlässt.

John von Düffel

John von Düffel, geboren 1966 in Göttingen, lebte zeitweise in Irland und den USA, er promovierte 23jährig über Erkenntnistheorie und war danach als Theater- und Filmkritik, als Schauspieldramaturg und Übersetzer tätig. Er ist einer der meistgespielten jungen deutschen Theaterautoren der letzten Jahre. Für "Vom Wasser", seinem ersten Roman, wurde er u.a. mit dem "Aspekte"-Literaturpries und dem Mara-Cassens-Preis ausgezeichnet.

Auszug aus dem Titelverzeichnis / Rezensionen zu weiteren Büchern:


Neues aus dem LESELUST-Blog

Claude Lanzmann - Der patagonische Hase. Erinnerungen

Claude Lanzmann ist der Mann, der den Film "Shoah" geschaffen hat. Er hat als Filmemacher, Journalist, Lektor gearbeitet, sich schon in der Jugend in der Resistance organisiert, mit Simone de Beauvoir zusammengelebt, Angelika Schrobsdorff geheiratet… kurzum: ein ausgesprochen ereignisreiches Leben gelebt, von dem er in diesem Buch erzählt. Ein Zeitzeugnis, fürwahr - manchmal zwar aufgrund der Eitelkeit des Autors nur schwer erträglich, aber die letzten 200 Seiten, in denen er von der Enstehung seines Hauptwerks berichtet, lassen alle vorherigen Kritikpunkte zurücktreten. [..MEHR..]

Link zum Diskussionsforum

©31.12.1998 Daniela Ecker (Brezing) - - - Impressum - - - © 1998-2013 LESELUST Daniela & Markus Brezing