Robert Draper - Der Gefangene

Originaltitel: Hadrian´s Walls
Krimi. Diverse 2001
414 Seiten, ISBN: 3795117216

Etwas skeptisch ist Hadrian doch, als er sich nach 8 Jahren auf den Heimweg nach Shepherdsville macht; soll er nur in eine Falle gelockt werden? Oder soll er tatsächlich nur die Begnadigungspapiere unterschreiben?

Seit 8 Jahren ist er nun auf der Flucht. Mit 15 hatte er einen Richter getötet - Notwehr, ein Fall, in den eigentlich auch sein bester Freund Sonny verwickelt war, der Sohn des Gefängnisdirektors. Hadrian hatte ihm damals das Leben gerettet - und war dafür lebenslänglich in den Knast gewandert. Eine Woche bevor er vorzeitig entlassen werden sollte, gab es einen weiteren Toten - einen Mitgefangenen. Und Hadrian war verschwunden.

Sonny, der zu diesem Zeitpunkt bereits selbst zum Gefängnisdirektor aufgestiegen war, hilft ihm zum ersten Mal. Durch seine Verfolgungsanweisungen gelingt es Hadrian erst, nicht sofort wieder gefangen zu werden.

Aber was will Sonny dafür? Welches Ziel verfolgte er, als er sich beim Gouverneur für die Begnadigung Hadrians eingesetzt hatte?

Und wie kann die Freundschaft der beiden ungleichen Männer weiterbestehen - von denen einer sein Leben für den anderen aufgeopfert hat, um dann mit ansehen zu müssen, dass dieser zum Dank dafür die Frau heiratete, die Hadrian liebt?

Während der ersten 100 Seiten war ich häufig in Versuchung, das Buch beiseite zu legen und nie wieder in die Hand zu nehmen. Danach konnte ich es nicht mehr aus der Hand legen, bis es ausgelesen war.

Der Grund für mein anfängliches Missbehagen lag in der Schilderung der Charaktere. Es war mir absolut unverständlich, wie ein eigentlich intelligenter Mensch wie Hadrian in Sonny immer noch einen Freund sehen konnte, nach allem, was zwischen den Beiden geschehen war! Zudem weiß der Leser zu diesem Zeitpunkt auch selbst noch nicht so genau, was wirklich passiert, er ahnt nur etwas. Aber die Schilderung, so unsentimental sie auch gehalten war, hatte doch den Effekt, dass meine Empörung immer latent vorhanden war.

Dann kommen die Passagen, in denen Rückschau betrieben wird, erzählt wird, wie es eigentlich zu diesem Mord kam, welche Familienumstände auch für die persönliche Entwicklung dieser so unterschiedlichen Freunde verantwortlich waren. Und diese Passagen, die auch einen konstanteren Erzählfluss aufweisen, sind wirklich sehr gut geschrieben.

Als Leser fühlte ich mich bis zum Schluss in Versuchung, Hadrian zurückzuhalten, ihm die Augen zu öffnen - ich hoffe, dass auch andere Leser diese Spannung noch nacherleben!

Robert Draper

Robert Draper, geboren 1958, ist Journalist und hat unter anderem für den Texas Monthly in der berüchtigten Gefängnisstadt Huntsville gearbeitet, die als Modell für Shepherdsville diente. "Der Gefangene" ist sein erster Roman.

Auszug aus dem Titelverzeichnis / Rezensionen zu weiteren Büchern:


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