Doris Dörrie - Was machen wir jetzt?

Originaltitel: Was machen wir jetzt?
Roman. Diogenes 1999
304 Seiten, ISBN: 3257232705

Was machen wir jetzt? Fred Kaufmann ist über 40, seine Frau Claudia pflegt seltsame Rituale, seit sie das Buch "Wie du glücklich sein kannst, wenn du es nicht bist" entdeckt hat - und seine Tochter Franka will mit einem Lama nach Indien abhauen, obwohl sie erst 16 ist.

Aber hier sind sich die Eltern ausnahmsweise mal einig: das darf nicht sein. Deshalb fährt Fred mit seiner Tochter also nach Frankreich in ein Kloster, zu einem der Erbauungsseminare - und vertraut auf die ihm so wohlbekannte, desillusionierende Kraft des Alltags.

Im Kloster läuft er zu Beginn beinahe Amok; Schweigevorschrift, miserables (und viel zu wenig) Essen, kein Alkohol, kein Kaffee, keine Zigaretten. Und dazu lauter Menschen mit Batikhosen, Schlabbershirts, Sandalen und Socken.

Die einzige Frau, die ihm interessant erscheint ist Antje - und ausgerechnet deren Mann hat ein Verhältnis mit seiner, Freds, Frau - was einmal mehr die Frage aufwirft: Was machen wir jetzt?

Die ersten 70 Seiten dieses Buches habe ich mit permanentem Schmunzeln, ja-genau-Effekten und generell großem Vergnügen genossen.

Aber dann lässt die Spritzigkeit, mit der der Roman beginnt, nach. Denn nun werden die Fragen nach dem Sinn des Lebens gestreift, und vor allem die Suche nach dem Glück beginnt. Und natürlich musste auch Fred in dem Kloster die eine oder andere Lebensweisheit nicht nur hören, sondern auch verinnerlichen und tatsächlich als wahr und weise erkennen.

Das war der Punkt, der mich ein wenig gestört hatte. Ansonsten kann ich es wirklich empfehlen - aber Vorsicht, bissig!

Doris Dörrie

Doris Dörrie wurde am 26.5.55 in Hannover geboren und lebt heute in München. Nach einem abgebrochenen Studium und diversen Jobbereien entdeckte sie den Film für sich. "Männer" machte sie international bekannt. Daneben veröffentlichte sie eine Reihe von Erzählungen.

Auszug aus dem Titelverzeichnis / Rezensionen zu weiteren Büchern:


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