Doris Dörrie - Happy

Originaltitel: Happy
Roman. Diogenes 2001
110 Seiten, ISBN: 3257062796

Dylan und Charlotte haben zum Abendessen eingeladen. Zwei befreundete Paare; Boris und Anette, die als einzige noch wirklich glücklich miteinander sind, und Felix und Emilia, die sich erst vor kurzem getrennt haben.

Es ist nicht mehr wie in früheren Zeiten, als sie sich zwanglos bei einer Tiefkühlpizza treffen konnten; Dylan und Charlotte sind mittlerweile richtig reich geworden, wohnen in einer schicken Wohnung und sind mittlerweile happy, wo sie früher einfach glücklich waren. Findet zumindest Charlotte, die weder in der Beziehung noch mit den alten Freunden mehr wirklich zufrieden ist; früher, findet sie, war alles viel besser, früher hatten sie sich noch wahrgenommen, früher war alles einfacher - damals, als sie noch frisch verliebt waren und genauso wenig Geld hatten wie die Freunde.

Das Abendessen verläuft auch entsprechend; man spürt die Spannungen zwischen den Paaren und unter den Freunden. Dann kommt plötzlich ein Thema auf, dem keiner sich entziehen kann: auch die glücklichsten Paare, will Emilia in einer Studie gelesen haben, erkennen sich im Dunkeln nicht, wenn sie nur auf ihren Tastsinn angewiesen sind.

Was als Scherz beginnt, steigert sich sehr schnell zu einer Liebesprobe, deren Bestehen oder Nichtbestehen zum Gradmesser wird...

Doris Dörrie zeigt hier das, was sie am allerbesten kann: Dialoge. Denn "Happy" ist kein Roman, sondern ein Drama, unterbrochen sind die Dialoge nur durch kurze Regieanweisungen. Und diese Dialoge, in denen sie Beziehungen auf den Prüfstand stellt, hinter die Maske von Freundschaften schaut - diese Dialoge sind so echt und entlarvend und dabei auch noch im gewohnten Dörrie-Stil witzig, dass die knapp hundert Seiten echten Lesegenuss bieten.

Sei es die Freundin, die bei der Begrüßung prüfend angesehen wird und dann mit einem "bist du schwanger?" begrüßt wird, sei es das Männergespräch, welche Version des Palm Pilot man denn nun unbedingt haben müsse - es sind genau die Gespräche, die man einfach kennt. Ein Stückweit erkennt sich fast jeder in einer der sechs Personen, oder projeziert die Gesichter und Geschichten von Freunden und Bekannten hinein. Die herrlichen Pointen und Wortwechsel lohnen sich auf jeden Fall zu lesen - auch wenn das Ende dann für meine Begriffe zu glatt ist.

Lesen, Freunden schenken, gemeinsam lesen, laut lesen - mit diesem Buch hat man jede Menge Spaß und Partygespräch garantiert!

Doris Dörrie

Doris Dörrie wurde am 26.5.55 in Hannover geboren und lebt heute in München. Nach einem abgebrochenen Studium und diversen Jobbereien entdeckte sie den Film für sich. "Männer" machte sie international bekannt. Daneben veröffentlichte sie eine Reihe von Erzählungen.

Auszug aus dem Titelverzeichnis / Rezensionen zu weiteren Büchern:


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