Philippe Djian - Matador

Originaltitel: Sotos
Roman. Diogenes 1995
402 Seiten, ISBN: 3257229607

Als Enkel von Victor Sarramanga werden einem viele Probleme aus dem Weg geräumt - wenn man zum Beispiel die Lehrerin zum Fenster hinausgeschubst hat, erntet man zwar eine deftige Ohrfeige, aber auch die unumstößliche Aussage, man hätte richtig gehandelt.

Mani Sarramanga, 17, ist verwöhnter Erbe von südamerikanischen Großgrundbesitzern. Sein despotischer Großvater regelt jedoch nicht nur die Schulprobleme des Enkels - er beherrscht im weiten Umkreis auch sonst beinahe alle Menschen.

Wie weit diese Macht wirklich reicht, wird Mani richtig bewusst, als seine Mutter wieder einmal mit einem neuen Ehemann nach Hause kommt. Eigentlich hatte Mani nicht vor, diesen, Vito, ernster zu nehmen als die anderen zuvor. Doch der unübersehbare Hass, der ihm vom Großvater entgegengebracht wird lässt ein Geheimnis vermuten - eine Bekanntschaft, die wohl schon weiter zurückliegt.

Der Machtkampf zwischen Vito und Victor hatte 20 Jahre zuvor begonnen - schon damals liebte Vito Victors Tochter, und nun geht der Kampf in der Corrida in die zweite Runde....

Ja, auch bei "Matador" handelt es sich um einen relativ typischen Djian - aber leider nicht unbedingt um einen der besten.

Sein Talent, eine Geschichte zu erzählen, kommt vor allem im 2. Teil, der Rückblende auf die Geschehnisse vor 20 Jahren, zum Tragen.

Alles in allem bleibt der Roman jedoch seltsam blutleer.

Philippe Djian

Philippe Djian, geb. am 3.5.49, hatte zunächst ein Jahr Literaturwissenschaft studiert, danach eine Journalismusschule, hat sich mit den verschiedensten Jobs durchs Leben geschlagen, bis er mit seinem dritten Roman, "Betty Blue. 37,2° am Morgen" weltberühmt wurde. Er lebt selten länger als fünf Jahre an einem Ort. Bisherige Stationen: New York, Florenz, Bordeaux, Biarritz, Lausanne und Paris.

Auszug aus dem Titelverzeichnis / Rezensionen zu weiteren Büchern:


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