Philippe Djian - Kriminelle

Originaltitel: Criminels
Roman. Diogenes 1998
244 Seiten, ISBN: 325706179X

Ein quälender Winter. Francis hat schlimme Rückenbeschwerden, die ihm keiner so recht glauben will, hat deshalb seinen Job mehr oder weniger verloren. Der Vater ist im Krankenhaus, leidet an Alzheimer - und muss in spätestens einer Woche aus der Klinik heraus. Francis muss sich also entscheiden, ob er ihn zu sich nehmen wird oder nicht.

Élisabeth, seine Lebensgefährtin, überlässt die Entscheidung ihm - auch wenn sie ihren Wunsch, den Vater in einem Heim zu sehen, nicht verheimlicht.

Die Beziehungen im Freundeskreis kriseln mehr oder weniger heftig vor sich hin; und immer wieder werden auch sie selber in diese Krisen mit hineingerissen.

Und dann ist da auch noch der Sohn, mit dem er keine vernünftigen Gespräche führen kann, zu dem er kaum einen Zugang findet.

Alle stecken sie mehr oder weniger fest - und leiden mal mehr, mal weniger unter diesem Bewusstsein. Denn, wie Francis feststellt: "Es gibt kein Alter dafür, sich am Boden zerstört zu fühlen. Dazu reicht kurzes Nachdenken."

Was an einem Buch so faszinierend sein kann, das ein paar Szenen aus dem Alltag einiger Paare um die 40, 50 zu zeigen? Die Art, wie es gemacht ist.

Djian zeigt in diesem Roman, der auf "Mörder" aufbaut und in derselben Gegend spielt, ganz normale Menschen mit ihren Ängsten, Hoffnungen und Träumen.

Und er schaut ziemlich genau hin. Er erspart es uns, die Stimmungen zu erklären, denen seine Figuren ausgesetzt sind. Er erzählt uns häufig auch nicht, was denn nun in der Zwischenzeit passiert ist, wenn diese Menschen wieder aufeinandertreffen.

Das Buch besteht zum überwiegenden Teil aus Dialogen. Und man hört diese Dialoge, sieht die Menschen vor sich, die sie führen. Spürt, und das ist die große Kunst, die Stimmungen, Schwankungen.

Djian versteht sein Handwerk!

Philippe Djian

Philippe Djian, geb. am 3.5.49, hatte zunächst ein Jahr Literaturwissenschaft studiert, danach eine Journalismusschule, hat sich mit den verschiedensten Jobs durchs Leben geschlagen, bis er mit seinem dritten Roman, "Betty Blue. 37,2° am Morgen" weltberühmt wurde. Er lebt selten länger als fünf Jahre an einem Ort. Bisherige Stationen: New York, Florenz, Bordeaux, Biarritz, Lausanne und Paris.

Auszug aus dem Titelverzeichnis / Rezensionen zu weiteren Büchern:


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