Philippe Djian - Heißer Herbst

Originaltitel: Sainte-Bob
Roman. Diogenes 1999
287 Seiten, ISBN: 3257062176

Luc Paradis, der Autor der Bücher "Kriminelle" und "Mörder", nimmt nun tatsächlich die Mutter seiner geschiedenen Frau in sein Haus auf - wie er es in "Mörder" schon getan hatte.

Überhaupt sind diese beiden Bücher seine Abrechnung mit seinen Freunden und Feinden - und vor allem mit seiner geschiedenen Frau.

Der passt es natürlich überhaupt nicht, dass ihre Mutter nun ausgerechnet bei ihm eingezogen ist. Ganz ehrlich war das auch der eigentliche Beweggrund, warum Luc sie dann tatsächlich aufgenommen hatte.

Während sie versucht, ihn davon abzubringen - und dafür sogar bereit ist, wieder mit ihm ins Bett zu gehen - intrigiert Luc noch ein bisschen zwischen seinen Freunden, schreibt ein wenig an seinem Buch - bis passiert, was er am allerwenigsten erwartet hätte: er verliebt sich ganz heftig in seine Schwiegermutter....

Schade, diesen Abschluss der Trilogie, die mit "Mörder" und "Kriminelle" begonnen hatte, hätte Djian uns lieber ersparen sollen.

Die Idee, nun den Autor der beiden Bücher auftauchen zu lassen, die bereits literarisch verewigten Figuren nun als "real" zu verkaufen, ein bisschen zu zeigen, hier und dort war Fiktion im Spiel, das alles ist ein Schriftsteller imstande zu ändern, diese Macht hat er - diese Idee an sich also finde ich schon sehr interessant. Aber leider setzt Djian sie ganz und gar untypisch in den Sand.

Djian kann normalerweise mit wenigen Worten eine unglaubliche Atmosphäre erzeugen. Er beobachtet scharf, erwartet von seinem Leser, dass dieser die Nuancen auch aus dem Text herausliest, nicht eigens mit der Nase auf Stimmungsumschwünge hingewiesen wird.

Aber beim heißen Herbst hat Djian diese Fähigkeit nicht eingesetzt. Schade drum. Der heiße Herbst ist bestenfalls lau.

Philippe Djian

Philippe Djian, geb. am 3.5.49, hatte zunächst ein Jahr Literaturwissenschaft studiert, danach eine Journalismusschule, hat sich mit den verschiedensten Jobs durchs Leben geschlagen, bis er mit seinem dritten Roman, "Betty Blue. 37,2° am Morgen" weltberühmt wurde. Er lebt selten länger als fünf Jahre an einem Ort. Bisherige Stationen: New York, Florenz, Bordeaux, Biarritz, Lausanne und Paris.

Auszug aus dem Titelverzeichnis / Rezensionen zu weiteren Büchern:


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