Philippe Djian - Mörder (Dt. Erstausgabe: "Ich arbeitete für einen Mörder")

Originaltitel: Assassins
Roman. Diogenes 1996
247 Seiten, ISBN: 3257230125

Ein Unfall im Chemiewerk. Unermüdlich ist Patrick im Namen seines Freundes und Chefs Mark unterwegs, um die Bauern zu beruhigen, teilt Lebensmittelkörbe aus, versucht, die Umweltkontrolleure zu beruhigen - und zu bestechen.

Ein Druckfehler in der Zeitung beschert ihm für die Wohnung im zweiten Stock seines Hauses eine Untermieterin, Elaine. In dieser Wohnung hatte noch bis vor kurzem die Mutter seiner Ex-Frau gelebt - bis zu ihrem Tod, den er immer noch nicht ganz verarbeitet hat.

Und sein Freund Mark fordert nicht nur beruflich seine volle Kraft und Aufmerksamkeit, auch als Freund braucht er ihn derzeit ganz dringend: seine Frau liegt im Sterben.

Doch grade an dem Morgen, als Patrick mit seinen Nachbarn und Freunden und Elaine zu einem Ausflug aufbrechen will, von dem er sich eine sanfte Annäherung erhofft, fordert Mark die Freundschaft bis an ihre Grenzen: in seinem Kofferraum liegt bewusstlos der Umweltbeamte, der Patricks Bestechungsgelder zwar angenommen hatte, aber trotzdem den Betrieb schließen lassen will. Sie schaffen ihn gemeinsam ins Wochenendhaus - in dem auch die Freunde noch auftauchen, nicht ahnend, was passiert war. Von einem Unwetter auch noch eingeschlossen, spitzt die Lage sich immer mehr zu....

Die Grenzen einer Freundschaft - ich kann mich nicht erinnern, schon einmal ein Buch gelesen zu haben, in dem dieses Thema so komplex geschildert wurde - ohne viele Worte darum zu machen.

Man spürt förmlich, wie die Feindseligkeiten, Spannungen, alte, ungeklärte Streitpunkte und Schuldgefühle, Verpflichtungen immer stärker ans Licht treten in dieser Ausnahmesituation.

Philippe Djian hat selbst erzählt, dass seine Jahre im Journalismus ihn vor allem eines gelehrt hätten: den Texten jedes Gramm Fett zu entziehen. Und so schreibt er auch: hier ist kein Wort zuviel, und kein Wort falsch - ich bin schwer beeindruckt!!!

Philippe Djian

Philippe Djian, geb. am 3.5.49, hatte zunächst ein Jahr Literaturwissenschaft studiert, danach eine Journalismusschule, hat sich mit den verschiedensten Jobs durchs Leben geschlagen, bis er mit seinem dritten Roman, "Betty Blue. 37,2° am Morgen" weltberühmt wurde. Er lebt selten länger als fünf Jahre an einem Ort. Bisherige Stationen: New York, Florenz, Bordeaux, Biarritz, Lausanne und Paris.

Auszug aus dem Titelverzeichnis / Rezensionen zu weiteren Büchern:


Neues aus dem LESELUST-Blog

Claude Lanzmann - Der patagonische Hase. Erinnerungen

Claude Lanzmann ist der Mann, der den Film "Shoah" geschaffen hat. Er hat als Filmemacher, Journalist, Lektor gearbeitet, sich schon in der Jugend in der Resistance organisiert, mit Simone de Beauvoir zusammengelebt, Angelika Schrobsdorff geheiratet… kurzum: ein ausgesprochen ereignisreiches Leben gelebt, von dem er in diesem Buch erzählt. Ein Zeitzeugnis, fürwahr - manchmal zwar aufgrund der Eitelkeit des Autors nur schwer erträglich, aber die letzten 200 Seiten, in denen er von der Enstehung seines Hauptwerks berichtet, lassen alle vorherigen Kritikpunkte zurücktreten. [..MEHR..]

Link zum Diskussionsforum

©05.09.1999 Daniela Ecker (Brezing) - - - Impressum - - - © 1998-2013 LESELUST Daniela & Markus Brezing