Dick Francis - Schikanen

Originaltitel:
Krimi. Diogenes 2010
432 Seiten, ISBN: 3257067445

Geoffrey Mason ist Anwalt mit Leib und Seele. Und außerdem ist er leidenschaftlicher Reiter. Seine Verhandlungstermine legt er, wenn möglich, so, dass er auch weiterhin an den wichtigsten Amateurrennen des Pferdesports teilnehmen kann.

Als Anwalt will man normalerweise gar nicht unbedingt wissen, ob ein Mandant nun wirklich schuldig ist oder nicht. Es zählen die entlastenden oder belastenden Fakten; über Schuld oder Unschuld entscheidet das Gericht. Im Falle seines aktuellen Mandanten allerdings ist Mason von der Schuld überzeugt - und nicht unglücklich, als dieser dann auch tatsächlich verurteilt wird. Doch schon kurz danach ist der Mandant wieder auf freien Füßen - das Urteil wurde revidiert. Und der Mandant sinnt auf Rache.

Mason, der nun auch auf seinem ureigensten Gebiet, seiner Leidenschaft für den Pferderennsport, angegriffen wird, fühlt, dass da etwas faul ist. Seine Recherchen bringen ihn mit anderen Menschen in Kontakt, die einmal in eine Auseinandersetzung mit der besagten Familie verwickelt waren. Und diese sind allesamt immer noch verstört und verängstigt; die Bedrohung, der sie ausgesetzt waren, ist nach wie vor nicht ausgestanden für sie. Entsprechend wenig Bereitschaft liegt auch vor, sich erneut als Zeuge zur Verfügung zu stellen…

Mason muss also ein wenig tiefer graben, um einen Urteilsspruch doch noch erzielen zu können, der Gerechtigkeit verspricht…

Dies ist der zweite und vorletzte Roman, den Dick Francis gemeinsam mit seinem Sohn Felix Francis geschrieben hat; ein letzter Band erscheint im Frühjahr 2011, und danach bleibt die Hoffnung, dass Felix Francis die Tradition seines Vaters weiter führt.

Krimis von Dick Francis zu lesen ist ein bisschen wie heißen Tee, Kekse und Kerzenlicht an einem regnerischen Tag. Einerseits sind die dargestellten Fälle allesamt gut geschrieben, die Helden sind Menschen wie du und ich, in keiner Hinsicht perfekt, aber von einer inneren Lauterkeit, die ihnen dann in der jeweiligen Ausgangslage ermöglicht, über sich selbst hinauszuwachsen und sich für die gerechte Sache einzusetzen.

Auch die Details aus dem Pferderennsport, die sonst wohl eher nicht sonderlich interessant für mich wären, betrachte ich mittlerweile als liebgewonnenes Ritual; erfreue mich daran, etliche Rennen und ihre Besonderheiten schon zu "kennen". Außerdem wird die Rennszene immer so lebendig geschildert, dass man den Eindruck erhält, ein Teil davon zu sein.

Der Kriminalfall an sich ist solide aufbereitet, diesmal am Ende sogar mit einer für mich überraschenden Wendung, in der persönliches über "gerechtes" siegte; und eine kleine, harmlose Liebesgeschichte ist auch noch mitenthalten.

Wer gerne auch mal einen Krimi liest, der weniger von Blut und Schrecken lebt als von feinem Humor und einer psychologisch glaubwürdigen Geschichte, der wird hiermit bestimmt vergnügliche Stunden erleben dürfen. Und sich danach vielleicht, so wie ich, entspannt, satt und zufrieden fühlen, wenn das Buch zu Ende ist.

Dick Francis

Dick Francis, geb. am 31.10.1920 als Richard Stanley Francis in Wales, war einst einer der bekanntesten Hockeys Englands, der auch für den Stall der Queen Mum antrat, bis 1956 ein Sturz seine Karriere beendete. "Scherben" war laut seiner eigenen Aussage sein letztes Buch, das er Königin Elisabeth, der Königinmutter, zum 100. Geburtstag gewidmet und erst auf ihre Bitte hin überhaupt noch geschrieben hatte. 2006 erschien dann aber ein weiterer Krimi, "Gambling / Under Orders", bereits in der Koautorschaft mit seinem Sohn Felix Francis. 3 weitere gemeinsame Romane folgten. Dick Francis verstarb am 14. Februar 2010 89jährig auf den Kaimaninseln, wo er zuletzt lebte, an Altersschwäche.

Auszug aus dem Titelverzeichnis / Rezensionen zu weiteren Büchern:


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