Originaltitel: Daj Mne!
Roman. S. Fischer Verlag 2003
251 Seiten, ISBN: 3100431006
10 Erzählungen sind in diesem Band versammelt; die Autorin, eine junge Russin Anfang Zwanzig, wird als literarische Neuentdeckung, als die junge Stimme Russlands gefeiert und nun, anlässlich des Themenschwerpunkts Russland der Buchmesse 2003, auch hier in der Presse hochgefeiert.
Ich konnte diese Begeisterung leider überhaupt nicht nachvollziehen.
Die Titelgeschichte "Komm" handelt von einem jungen Mädchen, das sich virtuell mit einem Musiker verheiratet hat, der sie aber links liegen lässt. Gemeinsam mit ihrer Freundin mischen sie die Männer auf; ihrer Freundin kommt es dabei vor allem darauf an, dass die Männer wohlhabend sind, dass sie etwas springen lassen, während sie selbst sich von den Randfiguren der Gesellschaft, zuletzt von einem Rapper angezogen fühlt. Und erst zum Schluss offenbart ihr der Musiker vom Anfang, dass er sich nur nie getraut hatte, sie anzumachen.
Walerotschka erzählt die Geschichte einer Gruppe Stadtkinder, die ins Ferienlager geschickt werden. Rasch hat sich eine Hierarchie der Coolen und der Looser herausgebildet; Walerotschka zählt trotz seines mächtigen Vaters zu Letzteren, wird verprügelt. Die Aufseherin hat keine Autorität, es wird getrunken, geprügelt, gequält, und natürlich auch miteinander geschlafen - und am Ende kriegt Walerotschka seine Rache, die Aufseherin ist die Angst los, dass er zu Hause seinem Vater alles petzen könnte, die Romanzen haben ein Ende, und alles ist so beliebig wie zuvor.
Kein einziger Protagonist in all diesen Erzählungen ist für mich auch nur ansatzweise lebendig geworden, es sind für mich Schablonen, die hauptsächlich cool sind und ansonsten sowohl in ihren Handlungen als auch in der Art, wie sie geschildert werden völlig austauschbar bleiben.
Die Erzählungen sind sehr dialoglastig, wobei "Dialog" dabei übertrieben ist - es sind halbgare Sprüche, die miteinander kombiniert werden. Sprachlich bleiben diese Erzählungen jedenfalls weit hinter meiner persönlichen Erwartungshaltung an eine "literarische Entdeckung" zurück.
Irina Denezkina wurde 1981 geboren. Sie studiert Journalismus und schreibt für die Studentenzeitung "Studio". Schon gleich nach Erscheinen waren ihre Erzählungen ein großer Erfolg und wurden 2002 für den russischen Nationalen Bestseller Preis nominiert.
Javier Marias - Die sterblich Verliebten
Wozu ist der Mensch aus Liebe fähig? Welche Taten werden im Namen der Liebe begangen? Das ist ein Thema, das den spanischen Erfolgsautoren Javier Marias (Mein Herz so weiß) in seinen Romanen immer und immer wieder behandelt. Auch in seinem neuen Roman, der steht dieses Thema im Vordergrund und wird gewohnt ausschweifend behandelt. Wer diesen Stil mag, wird auch diesmal wieder genug Gelegenheiten haben, sich an Sprache und Wendungen zu erfreuen. An "Mein Herz so weiß" kommt er damit aber nicht heran. [..MEHR..]
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