Arne Dahl - Böses Blut

Originaltitel: Ont Blod
Roman. Piper Verlag 2003
360 Seiten, ISBN: 3492270417

Grausam verstümmelt wird der bekannteste schwedische Literaturkritiker auf dem Flughafen von New York aufgefunden - und als ob das für die ruhegewohnten Schweden noch nicht genug wäre, wird aus Amerika auch noch der dringende Verdacht geäußert, der Täter säße nun anstelle des Kritikers in dem Flugzeug nach Stockholm.

Ein Fall für die Einsatzgruppe A, die erst ein gutes Jahr zuvor gegründet worden war, als es das erste massive Aufkommen von einer Reihe brutaler Morde, auch "Machtmorde" genannt, gegeben hatte. Um diese Morde ging es wohl im ersten Fall der Reihe, (Misterioso), wobei nicht nur ein Verbrechen aufgeklärt, sondern auch eine Ehekrise herbeigeführt und ein Verhältnis zwischen Paul Hjelm und Kerstin Holm entstand. Das Verhältnis ist vorbei, die Ehe wieder halbwegs stabilisiert, aber eine gewisse Spannung liegt nach wie vor in der Luft.

Am Flughafen verpasst die Gruppe den Täter, sorgt aber dennoch für einigen Aufruhr; danach ist Stille. Nichts passiert. Nun müssen sie auf den ersten Toten warten, sich in der Zwischenzeit in das umfangreiche Aktenmaterial einlesen, das die Amerikaner ihnen zu dem Fall zukommen lassen. Ray Larner vom FBI hatte sich schon seit 20 Jahren mit dem Fall befasst; seine Nachforschungen hatten ihn auf die Spur einer alten, streng geheimen Einsatztruppe während des Vietnamkriegs gebracht, deren Spezialität es war, mit einer Spezialzange die Stimmbänder während der Folter außer Kraft zu setzen. Larner hatte seinen Hauptverdächtigen schon beinahe gefasst - da geriet dieser bei einem Verkehrsunfall unter einen Lastwagen und war unleugbar tot.

Die Morde hörten aber nicht auf. Noch zwei sollten folgen - und dann fast fünfzehn Jahre nichts mehr. Mitten im Höhepunkt dieser zweiten Serie war der Täter also nach Schweden aufgebrochen - und auch hier sollte bald das erste Opfer auftauchen. Ein Mitarbeiter des Außenministeriums, der mit seiner Frau gemeinsam für den Nahen Osten zuständig gewesen war, und bei dem man keine Verbindung zum Fundort herstellen konnte - aber zumindest aufmerksam auf das ungewöhnlich hohe Vermögen des Paares wurde...

Zu Beginn war ich von diesem Krimi noch sehr angetan. Abgesehen von den Szenen, die aus der Sicht des ersten Ermordeten erzählt werden und die Gedanken des Mörders, die einfach zu reißerisch und sensationslüstern wirkten in dem Zusammenhang, war die Geschichte gut aufgebaut und ließ auf eine Entwicklung der Charaktere schließen. Die vielen Anspielungen auf den ersten Fall haben zwar manchmal genervt, waren aber so ausführlich, das man auch ohne Vorkenntnisse des ersten Buches kein Verständnisproblem hatte. Die erste falsche Spur, der nachgegangen wurde, hat mich auch noch sehr amüsiert, es gab viele nette kleine Seitenhiebe auf die Literaturkritik, die durchaus nachvollziehbar waren.

Aber dann musste leider immer mehr Tempo rein in den Roman, immer mehr Adjektive werden verwendet - vielleicht liegt es an der Übersetzung, aber ich habe eine gewisse Souveränität im Umgang mit Sprache vermisst, für mich wurde zu viel beschrieben, was ich mir lieber erzählt gewünscht hätte.

Mit dem zunehmenden Tempo der Handlung wurde die dahinter steckende Logik immer dünner - zum Schluss ist der Fall zwar geklärt, es bleiben aber noch einige Fragen offen. Über weite Teile gut zu lesen, auch spannend - aber der Beginn ließ mehr erwarten!

Arne Dahl

Arne Dahl gehört zu den meistgelesenen Krimiautoren Schwedens. Seine auf zehn Bände angelegten Romane um Kommissar Paul Hjelm werden von Kritikern und Publikum gleichermaßen gelobt und regelmäßig mit denen seiner Vorbilder Maj Sjöwall und Per Wahlöö verglichen. Arne Dahl lebt in Stockholm.

Auszug aus dem Titelverzeichnis / Rezensionen zu weiteren Büchern:


Neues aus dem LESELUST-Blog

Claude Lanzmann - Der patagonische Hase. Erinnerungen

Claude Lanzmann ist der Mann, der den Film "Shoah" geschaffen hat. Er hat als Filmemacher, Journalist, Lektor gearbeitet, sich schon in der Jugend in der Resistance organisiert, mit Simone de Beauvoir zusammengelebt, Angelika Schrobsdorff geheiratet… kurzum: ein ausgesprochen ereignisreiches Leben gelebt, von dem er in diesem Buch erzählt. Ein Zeitzeugnis, fürwahr - manchmal zwar aufgrund der Eitelkeit des Autors nur schwer erträglich, aber die letzten 200 Seiten, in denen er von der Enstehung seines Hauptwerks berichtet, lassen alle vorherigen Kritikpunkte zurücktreten. [..MEHR..]

Link zum Diskussionsforum

©08.11.2003 Daniela Ecker (Brezing) - - - Impressum - - - © 1998-2013 LESELUST Daniela & Markus Brezing