Donna W. Cross - Die Päpstin

Originaltitel: --
Roman. Aufbau Verlag 1995
566 Seiten, ISBN: 3746614007

Johanna, Tochter eines Priesters und einer Sächsin, einer "Heidin" also; wächst im finstersten Mittelalter auf, im 9. Jhdt.
Aberglauben und Unwissenheit regieren in Europa - und die Kirche. Mit missionarischem Eifer und noch mehr Gewalt wird versucht, ganz Europa zum Christentum zu bekehren.
Frauen gelten in diesem Zeitalter gar nichts - ihnen wird jeglicher Zugang zu Bildung verwehrt.
Johann ist ein sehr wißbegieriges Kind. Ihr Vater, in dieser Zeit einer der wenigen Männer, die lesen können, und dr lateinischen sprache möchtig sind, unterreichtet Johannas Brüder Matthias und Johannes. Matthias wiederum gibt sein Wissen an die kleine Schwester weiter so lange er kann - bevor er stirbt.
Der Gelehrte Aeskulapius erkennt ihr geistiges Potential und unterrichtet sie, und bringt sie auch an einer Scola unter. Hier lernt sie Gerold kennen, in dessen Haus si untergebracht ist - sehr zum Mißfallen dessen Frau. Natürlich verlieben sich die beiden ineinander.
Bei einem Überfall der Normannen werden alle Menschen getötet - nur Johanna überlebt und lebt fortan als Mönch (unter ihres Bruders Namen) im Kloster Fulda, wo sie alles über Heilkräuter und Medizin erlernt.
Als sie während einer Pestseuche selbst erkrankt, muß sie fürchten, daß ihre Verkleidung auffliegt und flieht.
Sie macht eine Pilgerreise nach Rom und bleibt dort, wird bald aufgrund ihrer Kenntnisse zu Papst Sergius gerufen, den sie von der Gicht heilt. So kommt sie ins Zentrum der Macht.
Auch sie wird in den Strudel aus Macht, Mißgunst, Korruption etc. hineinzuziehen versucht - aber widersteht selbstverständlich.
Plötzlich taucht auch Gerold, und mit ihm die alten Gefühle, in Rom auf - eine Liebe, die auch dann nicht endet, als Johanna zum Papst gewählt wird. Die Tatsache, daß sie eine Frau ist, kommt durch ihre Frühgeburt ans Licht... Jeder, der mir in den paar Tagen, während ich dieses Buch gelesen habe, über den Weg gelaufen ist, mußte sich meine Beschwerden anhören.

Ich kann mich ja irren - aber meines Wissens gab es im 9. Jhdt. n. Chr. in Europa noch keinen Mais, keine Truthähne, keine Bänke in den Kirchen etc.

Ich hatte den Eindruck, die Autorin dachte sich beim Schreiben "hmmmmm... Was könnte es als Arme-Leute-Essen geben? Ach ja, Mais...".

Die Liebesgeschichte war natürlich nur von ganz ganz edlen Gefühlen bestimmt, und ist auch der einzige Makel in ihrer sonst so wunderbaren Persönlichkeit. Immer ist Johanna so edel und gut, natürlich die Klügste und Scharfsinnigste, die für die Armen und Unterdrückten kämpft.

Darüber geht für mich die historische Situation im Mittelalter unter, die Dominanz der Kirche, und Mißachtung der Frau.

Ich glaube, mehr brauche ich nicht darüber zu sagen, ob mir dieses Buch gefallen hat.

Donna W. Cross

Donna Woolfolk Cross veröffentlichte bisher etliche Sachbücher. Sie hat einen Lehrstuhl inne und ist Leiterin eines Schreib-Projektes am Onondaga Colege im Staate New York.

Auszug aus dem Titelverzeichnis / Rezensionen zu weiteren Büchern:


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