Michael Crichton - Beute

Originaltitel: Prey
Roman. Blessing 2002
440 Seiten, ISBN: 3442458161

Jack ist Biotechnologe und entwickelt Algorhythmen für Computerprogramme. Oder besser gesagt: Das war seine Aufgabe, als er noch einen Job hatte. Den hat er allerdings seit einem halben Jahr nicht mehr, eine Ewigkeit in seiner Branche. Zwar war die Aufgabe als Hausmann, die Versorgung der drei Kinder, durchaus auch ein lohnendes Betätigungsfeld, aber sein Berufswunsch war es wahrlich nicht.

Im Gegensatz zu ihm schwimmt seine Frau Julia geradezu auf der Erfolgswelle. Die Firma, bei der sie tätig ist, entwickelt gerade eine Kamera, die in Nanotechnologie hergestellt wurde und zu medizinischen Zwecken eingesetzt wird. Eine faszinierende Technologie: Millionen von kleinsten Teilchen, die gemeinsam ein Bild übermitteln können, das bislang nicht vorstellbar war, eine Aufnahme von Stellen, die normalerweise völlig unzugänglich wären.

Doch irgend etwas war bei der Produktion dieser Kamera schiefgelaufen. Julia ist fast nur noch in der Firma, kommt immer später nach Hause, ist auch in ihrem Wesen verändert - und dann erhält Jack einen Anruf, der ihn mit einem Schlag mit ins Boot holt. Diese Kameras wurden mit einem Computerprogramm ausgestattet, das er einst entwickelt hatte. Basierend auf dem Schwarmverhalten von Insekten hatte er ein selbstlernendes Programm erstellt, dass einer großen Zahl von nicht intelligenten Schwarmmitgliedern ermöglichen sollte, gemeinsam anspruchsvolle Aufgaben zu erfüllen.

Diese Selbstlern-Fähigkeit war nun zum Problem geworden: bei der Produktion der Kameras war ein ganzer Schwarm unkontrolliert in die Außenwelt entwichen und hatte sich dort selbständig vermehrt - um nun zur Bedrohung zu werden...

Wenn man ein Buch von Michael Crichton liest, erwartet man vor allem eines: einen spannenden Plot. Eine Handlung, die basierend auf heutigem technologischen Wissensstand die Möglichkeiten weiter ausspinnt und ein erschreckendes Szenario daraus zaubert. Was man nicht erwartet: ausgefeilte psychologische Profile der Akteure, einen echten menschlichen Entwicklungsprozess - und, das gleich vorweg: Der Leser kriegt, was er erwartet.

Schon nach den ersten paar Seiten war ich in der Geschichte gefangen. Ich bin zwar sicher an neuen Technologien interessiert, aber was da genau passiert, was möglich ist, was nicht - damit setze ich mich eigentlich nie auseinander, das geht auch in den allermeisten Fällen über mein Verständnis hinaus. Und genau hier setzt Crichton an; sein Roman ist so geschrieben, dass man auch mit relativ wenig Grundwissen eine ungefähre Vorstellung davon bekommt, worauf Nanotechnologie basiert, nach welchen Grundsätzen die entsprechenden Computerprogramme geschrieben werden. Für einen Leser, der sich mit der Materie auskennt, wären die Beschreibungen sicherlich zu stark vereinfachend, zu grob; für mich war das beim Lesen genau richtig.

Ich fand es höchst faszinierend mir vorzustellen, wie die Beobachtung von Ameisenkolonien dazu führt, dass man Programm schreibt, die anhand ähnlich simpler Grundvoraussetzungen in der Lage sein sollen, hochkomplexe Aufgaben zu lösen.

Dass hier die Lage natürlich außer Kontrolle gerät und es eines Helden bedarf, der nicht nur intelligent genug ist, die Problematik zu erfassen, sondern auch noch in fieberhafter Eile kreative Lösungen dafür findet, macht die konventionelle Spannung dieses Buches aus.

Ich hab mich großartig unterhalten und dem Ende entgegengefiebert - viel Spaß beim Selberlesen!

Michael Crichton

Michael Crichton wurde 1942 in Chicago geboren und studierte in Harvard Medizin. Seine Romane wurden auch als Filme weltweite Erfolge. Er schrieb auch das Drehbuch zur erfolgreichsten Fernsehserie der Welt: Emergency Room

Auszug aus dem Titelverzeichnis / Rezensionen zu weiteren Büchern:


Neues aus dem LESELUST-Blog

Claude Lanzmann - Der patagonische Hase. Erinnerungen

Claude Lanzmann ist der Mann, der den Film "Shoah" geschaffen hat. Er hat als Filmemacher, Journalist, Lektor gearbeitet, sich schon in der Jugend in der Resistance organisiert, mit Simone de Beauvoir zusammengelebt, Angelika Schrobsdorff geheiratet… kurzum: ein ausgesprochen ereignisreiches Leben gelebt, von dem er in diesem Buch erzählt. Ein Zeitzeugnis, fürwahr - manchmal zwar aufgrund der Eitelkeit des Autors nur schwer erträglich, aber die letzten 200 Seiten, in denen er von der Enstehung seines Hauptwerks berichtet, lassen alle vorherigen Kritikpunkte zurücktreten. [..MEHR..]

Link zum Diskussionsforum

©09.12.2002 Daniela Ecker (Brezing) - - - Impressum - - - © 1998-2013 LESELUST Daniela & Markus Brezing