Carmen Covito - Single

Originaltitel: La Bruttina Stagionata
Roman. Diogenes 1996
346 Seiten, ISBN: 3257228252

Marilina ist 40 - und entspricht nicht gerade den üblichen Schönheitsanforderungen. Ihren Lebensunterhalt verdient sie mit dem Verfassen von Doktorarbeiten.

Ihr Meisterstück liefert sie für Accardi - der davon so begeistert ist, daß er ein Werbebuch daraus machen will. Aufgrund seiner kleinen Aufmerksamkeiten, und weil er so unerreichbar scheint, verliebt sich Marilina in ihn - nur reagiert er nicht wirklich darauf.

Dafür fängt Berto, ihr 20jähriger Liebhaber, den sie aufgrund seiner Zeitungsannonce kennengelernt hatte, plötzlich an, von Liebe zu sprechen - und das "geliehene" Geld zurückzuzahlen, daß er nach jedem seiner Besuche zu erbitten pflegte.

Während der Arbeiten zum Werbebuch wächst Marilinas Unzufriedenheit - wieder wird ihre Leistung völlig einem anderen zur Ehre gereichen. Dazu noch Streitigkeiten mit der Mutter, die nur noch den übersinnlichen Wahrnehmungen ihrer Freundin Pucci glaubt - schlimmer kann es doch kaum noch kommen?

Aber mitten in all diesem Schlamassel erfährt sie, daß Schönheit nicht vom perfekten Körper abhängt - und daß Liebe möglich ist, aber oft auch erst zum falschen Zeitpunkt auftaucht. Ein witzig- spritziges Buch! Vor allem die Nebenfiguren sind mit augenzwinkernder Ironie überzeichnet.

Accardi hat scheinbar alles, Geld, Macht, ist cool und in - und trotzdem schrecklich verklemmt; Enzo aus dem Pornoladen hat mehr an Lebensweißheiten zu bieten, als es scheint...
Berto, der sich aushalten lälßt, und plötzlich auch geliebt werden will - und natürlich die Mutter, die garantiert zum falschestmöglichen Zeitpunkt anruft, und es als Schande betrachtet, daß die Tochter immer noch Single ist.

Auch die Rückschlüsse auf das Leben und die Liebe haben mir ganz gut gefallen - während die Geschichte selbst etwas zu verworren erzählt wird, und auch mehr nur als Grobgerüst für diese Rückschlüsse gedient hat.

Carmen Covito

Auszug aus dem Titelverzeichnis / Rezensionen zu weiteren Büchern:


Neues aus dem LESELUST-Blog

Claude Lanzmann - Der patagonische Hase. Erinnerungen

Claude Lanzmann ist der Mann, der den Film "Shoah" geschaffen hat. Er hat als Filmemacher, Journalist, Lektor gearbeitet, sich schon in der Jugend in der Resistance organisiert, mit Simone de Beauvoir zusammengelebt, Angelika Schrobsdorff geheiratet… kurzum: ein ausgesprochen ereignisreiches Leben gelebt, von dem er in diesem Buch erzählt. Ein Zeitzeugnis, fürwahr - manchmal zwar aufgrund der Eitelkeit des Autors nur schwer erträglich, aber die letzten 200 Seiten, in denen er von der Enstehung seines Hauptwerks berichtet, lassen alle vorherigen Kritikpunkte zurücktreten. [..MEHR..]

Link zum Diskussionsforum

©14.11.1998 Daniela Ecker (Brezing) - - - Impressum - - - © 1998-2013 LESELUST Daniela & Markus Brezing