Originaltitel: Se una mattina d´estate un bambino
Roman. Ullstein Verlag 1996
154 Seiten, ISBN: 3548243851

Francisco bringt seinem Vater an einem Sommermorgen, noch ganz schlaftrunken, sein derzeitiges Lieblingsbilderbuch, um sich daraus vorlesen zu lassen.
Davon angeregt, beginnt der Autor, ihm einen langen Brief zu schreiben, der ihn in den nächsten Jahren begleiten soll.
Er schreibt ihm davon, wie er selbst, ein bekannter Literaturkritiker, seine Liebe zu den Büchern entwickelt hat, welche Menschen ihn in dieser Hinsicht beeinflusst haben - und vor allem, was ihm einige ganz besondere Bücher während dieser Zeit gegeben haben.
Und davon erzählt er dann auch: er lässt uns mit Jim Hawkings zur Schatzinsel aufbrechen, mit Holden Caulfield einige Tage in New York verbringen. Anhand der Gedichte von T.S. Eliot hofft er für seinen Sohn, die Zeit nicht mit dem Kaffeelöffel abmessen zu müssen, sich nicht in einem nicht gelebten Leben zu vergraben - um schließlich mit Thomas Bernhards Untergeher die Grenzen zwischen Genie und Talent auszuloten.
Dieses schmale Büchlein hat in mir eine ganze Menge bewirkt; ich bedaure, als Kind die Schatzinsel nicht gelesen zu haben, und vor allem muss ich unbedingt bald mal den "Untergeher" von Thomas Bernhard lesen, weil die darin behandelte Thematik für mich ausgesprochen anziehend ist.
Ein bisschen störend empfand ich dann zwar hin und wieder die vielen Wiederholungen - insgesamt ist es ein sehr empfehlenswertes Buch für alle jene, die auch gerne mal etwas über schon geschriebene Bücher lesen wollen.
geb. 1961, ist für den Kulturteil der renommierten Wochenzeitschrift L´Espresso zuständig und als unbarmherziger Kulturkritiker gefürchtet. Sein Roman "Die verlorene Partitur" ist 1997 erschienen.
Javier Marias - Die sterblich Verliebten
Wozu ist der Mensch aus Liebe fähig? Welche Taten werden im Namen der Liebe begangen? Das ist ein Thema, das den spanischen Erfolgsautoren Javier Marias (Mein Herz so weiß) in seinen Romanen immer und immer wieder behandelt. Auch in seinem neuen Roman, der steht dieses Thema im Vordergrund und wird gewohnt ausschweifend behandelt. Wer diesen Stil mag, wird auch diesmal wieder genug Gelegenheiten haben, sich an Sprache und Wendungen zu erfreuen. An "Mein Herz so weiß" kommt er damit aber nicht heran. [..MEHR..]
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