Bernard Cornwell - Der Winterkönig - Arthur-Trilogie

Originaltitel: --
Roman. Bastei Lübbe Taschenbücher 1988
570 Seiten, ISBN: 3499246244

Mit „Arthurs letzter Schwur“ liegt die Arthur-Trilogie von Bernard Cornwell endlich komplett als Taschenbuch vor. Muß man über den Inhalt noch viele Worte verlieren? Selbstverständlich finden sich hier einige der beliebtesten Motive der Sage wieder: das komplizierte Dreiecksverhältnis Arthur-Guinevere-Lancelot, Merlins Versuche, das Schicksal Britanniens mittels Magie zu beeinflussen, Mordreds Intrigen gegen Arthur, der Konflikt zwischen Christentum und alter Religion, die Gralslegende und natürlich die verzweifelte Abwehr der ins Land eindringenden Sachsen. Zusammengehalten wird das Ganze durch die Figur von Arthurs Waffengefährten Derfel (den der Autor nach eigenen Angaben alten Arthurlegenden entlehnt hat), der sich in Rückblenden an die vergangenen Zeiten unter Arthurs Führung erinnert.

Interpretationen der Arthursage gibt es wie Sand am Meer; kann uns eine weitere Variante wirklich noch etwas Neues erzählen?

Die Antwort ist ein uneingeschränktes „Ja“, wie die vorliegenden drei Bände auf das Trefflichste beweisen. Bernard Cornwell ist nämlich von den vielen Autoren, die sich an der Sage versucht haben, der einzige, der die Geschichte konsequent und eindeutig in jener frühmittelalterlichen Zeit ansiedelt, in die sie
gehört, und diese sinnlich erfahrbar macht. Glaubhaft läßt er eine Welt aus Dreck, Kot und Brutalität vor uns erstehen und vermittelt uns ein Gefühl für die unwirtlichen Zustände jener Epoche, aber auch für Lebensgier, Mut und Hoffnung.

Einfühlsam bringt er uns die magische Vorstellungswelt Britanniens um das Jahr 500 nahe, die archaischen Rituale und Bräuche. Eine besonders kluge und folgerichtige Überlegung stellt in diesem Zusammenhang die Rückführung der Gralslegende auf keltische Sagen vom magischen Kessel dar.

Aufgrund der Sorgfalt und Ernsthaftigkeit, mit der Bernard Cornwell recherchiert hat und die Geschichte nun ohne die üblichen Anleihen beim Hochmittelalter erzählt, hebt sich die vorliegende Trilogie wohltuend vom Großteil thematisch ähnlich gelagerter Romane ab.

Ebenfalls überaus erfrischend sind die neuen und interessanten Aspekte, die der
Autor einigen Protagonisten (Merlin, Nimue, Morgan, Guninevere, Mordred) abgewinnt, insbesondere seine überraschende und ungewöhnliche Sicht auf Lancelot, die so manchen Leser, der sich dem Klischeebild des edlen Verzichters verschrieben hat, irritieren dürfte.

Da die drei Bände darüber hinaus äußerst spannend geschrieben sind, können sie nur uneingeschränkt empfohlen werden; für Fans der Sage sind sie geradezu ein Muß.

Zwar wird meine persönliche Lieblingsinterpretation der Arthursage wohl immer die Trilogie von Gillian Bradshaw bleiben, aber Bernard Cornwell nimmt auf jeden Fall einen sehr ehrenvollen zweiten Platz ein.

Bernard Cornwell

Auszug aus dem Titelverzeichnis / Rezensionen zu weiteren Büchern:


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