Pat Conroy - Der große Santini

Originaltitel: The Great Santini
Roman. Bastei Lübbe Taschenbücher 1989
704 Seiten, ISBN: 3404117476

Bull Meecham, nach eigener Aussage der verdammt beste Kampfpilot auf Erden, kehrt nach einem Jahr in Europa wieder nach USA zurück.

Ein Jahr lang hatten seine Frau Lilian, die Kinder Ben, Mary-Anne, Matt und Karen bei der Großmutter in Atlanta gelebt, ohne den Einfluß der Marines. Doch Bull ist nach Revenge, South Carolina, versetzt worden - also zieht die Familie zum vierten Mal in vier Jahren um.

Bull führt ein sehr hartes Regime in seiner Familie. Kinder von Marines, ist seine Meinung, müssen in allem die Besten sein, immer diszipliniert, und haben sich vor allem seinem absoluten Gehorsamkeitsanspruch zu unterwerfen. Jedes der Kinder versucht, damit auf seine Weise fertig zu werden. Ben, der Älteste, bemüht sich meist, einfach nicht anzuecken - und ist trotzdem vom Wunsch beseelt, den Vater irgendwann mal zu besiegen. Er ist es auch, der die Fäuste am ehesten zu spüren bekommt.

Mary-Anne leidet schwer darunter, nicht die unglaubliche Südstaaten-Schönheit der Mutter geerbt zu haben. Ihre Waffe gegen den Despoten ist ihr loses Mundwerk.

Es fällt den Kindern nicht leicht, in der neuen Stadt schon wieder neue Freunde suchen zu müssen.
Ben wird von Toomer, dem Sohn des Hausmädchens, endlich mit den schönen Seiten des Südens (den sein Vater verachtet) bekanntgemacht; außerdem wird er in die Basketballmanschaft aufgenommen. Doch auch hier schafft es der Vater, ihm alles zu verderben.

Und schlußendlich bricht man wieder zu einem Umzug auf - diesmal allerdings wohl dem letzten. Ein "bewegendes Familiendrama aus dem amerikanischen Süden" ist das Buch laut Titelunterschrift. Nun ja. Vor allem, finde ich, ist es eine Aufzählung all dessen, was ich NICHT mag. Es widmet sich in unglaublicher Ausführlichkeit der Beschreibung von Gewalt in all ihren Erscheinungsformen; bei den Marines, in der Familie, in der Gesellschaft. Und wer sich nicht mit körperlicher Gewalt durchsetzt, teilt eben verbale Seitenhiebe aus. Wenn Freundschaft sich darin zeigt, wer dem anderen zuerst die Nase plattschlägt - nun ja.

Der Roman will diese Gewalt keineswegs in irgendeiner Form verherrlichen - er zeigt sie nur. Und zeigt auch die Spur von Bitterkeit, die diese Gewalt hinterläßt, was sie vor allem bei Ben und Mary-Anne anrichtet.

Wirklich gut fand ich die Beschreibungen von Bens Basketballspielen. Den Spielverlauf, die vorgetäuschten Finten etc. konnte man wie im Film ablaufen sehen - großartig beschrieben.

Ansonsten war die Handlung für einen derart dicken Schmöker aber etwas dürftig. Wer auch noch andere Bücher von Pat Conroy, etwa "Herren der Insel" oder "Beach Music" kennt, wird etwas enttäuscht sein.

Persönlich habe ich ganz einfach ein Faible für die Südstaaten, und ich liebe Romane, die in dieser Gegend spielen. Doch nach der Lektüre des großen Santini bin ich wieder einmal heilfroh, NICHT dort leben zu müssen, und vor allem, keinen Marine zum Vater zu haben.

Pat Conroy

Pat Conroy stammt aus South Carolina und lebt zur Zeit in Rom.

Auszug aus dem Titelverzeichnis / Rezensionen zu weiteren Büchern:


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