Bruce Chatwin - Traumpfade

Originaltitel: Songlines
Roman. S. Fischer Verlag 1990
394 Seiten, ISBN: 3596103649

Schon als kleiner Junge hatte er sich gefragt, was das wohl wäre, ein Walkabout, eine Songline - und nun, nachdem er so viele Länder dieser Erde bereist hatte, war Bruce Chatwin nach Australien gekommen, um sich mit den Aborigines zu treffen und von ihnen zu lernen, wie dieses uralte Prinzip der Traumpfade, die durch den ganzen Kontinent führen, funktioniert, welche Magie dahintersteckt.

In Arkady, einem Australier russischer Abstammung, findet er dabei Unterstützung. Er hat es sich zum Lebensinhalt gemacht, die Rechte der Aborigines zu bewahren; und wenn das bedeutet, dass er von einer Eisenbahngesellschaft dafür bezahlt wird, zwischen den konträren Interessen zu vermitteln, dann profitieren beide Seiten davon. Die geplante Streckenführung soll nicht mit den heiligen Städten kollidieren; das Recht der Aborigines auf ihr Land, auf ihre Lebensweise soll wieder hergestellt werden.

In langen Gesprächen mit Stammesältesten, Jägern, mit Arkady und anderen Engagierten, erfährt Chatwin von den Problemen des Überlebens in der heutigen Zeit, vom Handel mit der Kunst der Aborigines, aber auch von den Ritualen und Träumen, die all dem zugrunde liegen.

In seine Grundüberlegungen über das Nomadentum, über Aggression und Instinkte baut Chatwin immer auch seine in langen Jahren gesammelten Notizen über afrikanische Nomadenvölker, Zitate aus Büchern und Gesprächen ein.

Auch wenn diese Notizen für mich manchmal etwas zu ausführlich geraten, sich auch in eine Richtung bewegen, die meine Interessen manchmal verlässt - es ist hoch interessant, Chatwins Aufzeichnungen zu folgen.

Ich würde zwar nicht unbedingt behaupten wollen nun zu wissen, was eine Songline wirklich ist; aber eine Ahnung davon, wie die Aborigine damals die Welt herbeigesungen haben, wie die Lieder und Worte zur Orientierung dienten, das rückt beim Lesen (vor allem, wenn man vor Ort ist) plötzlich doch wesentlich näher.

Chatwin versteht es, komplexe Zusammenhänge immer wieder von anderer Seite zu betrachten und den Leser in diese fremde Welt zu führen, ihm ein kleines Rüstzeug mitzugeben, um dann vor Ort auch wirklich etwas zu sehen.

Wenn man an Australien interessiert ist, dann ist dieses Buch auf jeden Fall eine sehr lohnende Bereicherung, ein unverzichtbarer Reisebegleiter - aber auch von großem Interesse für alle Menschen, die sich mit fremden Lebenskonzepten auseinandersetzen wollen.

Bruce Chatwin

Bruce Chatwin, geboren 1940 in Sheffield, arbeitete bei Sotheby´s und als Journalist bei der "Sunday Times". Ausgedehnte Reisen seit 1962 führten ihn nach Afghanistan, in die Sowjetunion, nach Osteuropa, Westafrika, Patagonien, Australien. Neben wunderbaren Reisebüchern hat Chatwin einige hochgelobte Romane und Essays geschrieben. Er starb 1989 in Nizza

Auszug aus dem Titelverzeichnis / Rezensionen zu weiteren Büchern:


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