Michael Chabon - Wonder Boys

Originaltitel: Wonder Boys
Roman. dtv Der TaschenbuchVerlag 1995
384 Seiten, ISBN: 3423124172

Grady Tripp hat ein Problem. Genauer gesagt hat er nicht nur ein Problem: seine Frau hat ihn gerade verlassen, an diesem Wochenende kommt sein Lektor, und will den immer noch nicht beendeten Roman sehen, und seine Geliebte erwartet ein Kind.

Aber zuerst, zu allererst, muss das Wordfest in irgendeiner Form absolviert werden. Dieses Fest wurde ins Leben gerufen, um Autoren und Lektoren zusammen zu bringen, um unbekannten Schriftstellern die Gelegenheit zu geben, von arrivierten Schreibern Tipps zu erhalten. Eine Veranstaltung, die nur mit Drogen zu überstehen war, wie Grady aus Erfahrung wusste. Auch wenn dadurch vielleicht ein Höllentripp entstand...

Denn mit den paar Problemen war es noch nicht getan. Grady nutzt seine intimen Kenntnisse von Saras Haus aus, und zeigt einem seiner Schüler das gehütete Kleinod ihres Mannes: ein Jäckchen, das Marilyn Monroe bei einer ihrer Hochzeiten getragen hatte. Der Schüler, James, nimmt das Jäckchen mit - und erschießt unterwegs noch den Hund der Gaskells, der Grady angefallen hatte.

Die nächste Attacke gilt dem Auto, dann kommt ein Anruf des Schwiegervaters, ein absonderliches Mahl auf dem Lande, schockierende Geständnisse - immer turbolenter wird der Verlauf der Handlung, und trotzdem - hat das Buch einfach unglaubliche Längen.

Erzählen kann Michael Chabon, das steht ganz außer Frage. Nur: Er macht es so selten in diesem Buch! Immer dann, wenn er es endlich schafft, aus seinen langatmigen Beschreibungen aufzutauchen, zeigt er, dass er es durchaus beherrscht, seinen Leser ein Stück weit mitzunehmen. Aber dann stehen wieder die Drogen im Vordergrund; so, wie auch Grady Tripp im Roman vorgeworfen wird, einfach mit seinem Buch nicht aufhören zu können, zu oft im Haschischrauch geschrieben zu haben, so sehr ist man als Leser in Versuchung, hier den Protagonisten mit dem Autor gleichzusetzen.

Nein, nicht wirklich ein Buch, das ich unbedingt gelesen haben musste - vielleicht sollte man besser bei der Verfilmung bleiben!

Michael Chabon

Michael Chabon, 1963 geboren, lebt mit Frau und Tochter in Los Angeles. Sein erster Roman, "Die Geheimnisse von Pittsburgh", eigentlich die Abschlussarbeit für sein College-Studium in Creative Writing, wurde förmlich über Nacht zu einem Sensationserfolg, der monatelang auf den Bestsellerlisten stand. 2000 erhielt er für "The Amazing Adventures of Kavalier & Clay" den Pulitzer Preis.

Auszug aus dem Titelverzeichnis / Rezensionen zu weiteren Büchern:


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