Originaltitel: Millersburg
Roman. Droemer 2003
352 Seiten, ISBN: 3426196034


Im Sommer 1939 wurde Ben siebzehn, erklärte Hitler den Krieg, in Bens Heimatstadt wurden zwei Menschen ermordet und seine Familie zerbrach.
Es war ein zerbrechliches Idyll, in dem er bis dahin gelebt hatte; gemeinsam mit seiner Schwester und seiner Mutter lebten sie unter der Herrschaft seiner Großmutter, Mamu, auf dem Anwesen am Land. Sie hatten sich, nachdem sein Großvater das einst beträchtliche Vermögen mit Börsenspekulationen verloren hatte, gemeinsam mit den früheren Dienstboten Priddie und Osceola ein kleines Unternehmen aufgebaut, hatten das Land für Gemüseanbau genutzt und in diesen harten Jahren gelernt, wirklich davon zu leben, was das Land hergab.
Sie lebten sehr abgeschieden, ohne viel Kontakt zum Rest der kleinen Stadt; Bens Vater war schon vor Jahren verschwunden, er hatte Mamus Regiment nicht länger ertragen können, die die Familie mit eiserner Faust regierte.
Die beiden Ermordeten hatten nicht zu den eigentlichen Einwohnern von Millersburg gehört, es waren die reichen Sommergäste, die sich zum Missfallen der Bevölkerung die besten Grundstücke am See gesichert hatten. Natürlich war die Neugierde der Kleinstädter groß - doch dass ausgerechnet Bens Familie plötzlich mit dem Mord in Verbindung gebracht werden würde, hätte niemand, am wenigsten Ben, vermutet. So gut er sie alle zu kennen glaubte, stößt er nun auf ihre dunklen Geheimnisse...
Was anhand der knappen Inhaltsangabe bestenfalls nach einem mittelprächtigen Krimi klingt, entpuppt sich schon nach wenigen Seiten als eine sehr einfühlsam geschriebene, atmosphärisch dichte Entwicklungsgeschichte, in der zwar schlussendlich auch ein Täter bekannt wird, es im Wesentlichen aber um die Demontage einer Familientyrannin geht, um Lebenslügen und Überlebensstrategien. Das alles wird vor dem Hintergrund der amerikanischen Wirtschaftskrise geschildert, am Vorabend des zweiten Weltkriegs.
Landschafts- und Stimmungsbeschreibungen in Büchern können entsetzlich langweilig sein; hier aber haben mich die Schilderungen eines Frühsommerabends am Fluss, mit all den Düften und Geräuschen, geradezu verzaubert - und das, obwohl ich poetische Schilderungen sonst sehr schnell als süßlich und viel zu gewollt lyrisch empfinde. Vielleicht liegt es auch an der unprätentiösen Sprache Cauleys, dass ich mich so vollkommen in die Landschaft, die Empfindungen hineinversetzen konnte.
Trotz der vorkommenden Toten ist es ein im Grunde sehr stiller Roman übers Erwachsenwerden - ein Buch, das ich aus ganzem Herzen empfehlen möchte!
Javier Marias - Die sterblich Verliebten
Wozu ist der Mensch aus Liebe fähig? Welche Taten werden im Namen der Liebe begangen? Das ist ein Thema, das den spanischen Erfolgsautoren Javier Marias (Mein Herz so weiß) in seinen Romanen immer und immer wieder behandelt. Auch in seinem neuen Roman, der steht dieses Thema im Vordergrund und wird gewohnt ausschweifend behandelt. Wer diesen Stil mag, wird auch diesmal wieder genug Gelegenheiten haben, sich an Sprache und Wendungen zu erfreuen. An "Mein Herz so weiß" kommt er damit aber nicht heran. [..MEHR..]
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