Robert Carter - Der Bestseller

Originaltitel: Final Edit
Krimi. Diogenes 1997
324 Seiten, ISBN: 3257230923

Parker Foxcroft ist ein genialer Lektor, mit dem richtigen Riecher für zukünftige Preisträger. Aber sympathisch? Nein. Gemocht wurde er nicht gerade, das zeigt sich deutlich, als sein Verleger, Nick Barlow, ihn eines Abends erschossen im Büro vorfindet.

Eigentlich hatte fast jeder ein Motiv, ihn zu erschießen, von vielen seiner Kollegen wurde er gehasst, von abgelehnten Autoren, verschmähten Geliebten - und auch von Nick, der ihn am liebsten aus dem Verlag rausgeworfen hätte, wenn die Auflösung des Vertrages nicht Unsummen verschlungen hätte. Doch dieses Problem ist ja nun gelöst - weshalb Nick sich plötzlich in der Rolle des Hauptverdächtigen wiederfindet.

Plötzlich selbst in einen Mordfall verwickelt zu sein behabt dem Herausgeber von Kriminalromanen nicht sonderlich, und so beginnt er auf eigene Faust zu ermitteln. Woraus hatte Parker zB seinen aufwendigen Lebensstil finanziert? Könnte er jemanden erpresst haben - aber wen und womit?

Nick scheint auf der richtigen Fährte zu sein - denn nun ist sein eigenes Leben in Gefahr...

Eines hat dieses Buch auf jeden Fall in mir geweckt: Die Lust, irgendwann mal das Verlagswesen und den ganzen Rummel drumrum kennen zu lernen.

In diesem Teil war das Buch witzig, hat alle mal ein wenig auf die Schaufel genommen, eine Portion Zynismus reingepackt - ein ganz guter Mix.

Aber den Krimi an sich - den hätte ein Verlag wie Barlow & Company garantiert abgelehnt. An den Haaren herbeigezogen, schleppt sich die Krimihandlung müde dahin, lässt kein Klischee aus, um schließlich mühsam zu einem fadenscheinigen Ergebnis zu gelangen.

Ein weiterer Schwachpunkt: Robert Carter muss den Leser auf jeden humorvollen Ansatz nochmals extra hinweisen - und schon ist jede Pointe zerstört.

Wegen der paar Einblicke in den Literaturbetrieb lohnt es auf alle Fälle nicht, über 300 Seiten zu lesen.

Robert Carter

Auszug aus dem Titelverzeichnis / Rezensionen zu weiteren Büchern:


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