Originaltitel: Pura Vita
Roman. Piper Verlag 2002
315 Seiten, ISBN: 3492270425
Einen Kurzurlaub in Frankreich wollen sie gemeinsam machen - ein paar Tage außerhalb der Saison zusammen verbringen, Zeit für einander haben. Giovanni nutzt diese Zeit, um seiner Tochter die Welt, in der er lebt, ein wenig näher zu bringen - und um ein wenig Rechenschaft darüber abzulegen, warum er ihre Mutter damals mit dem Kleinkind alleine gelassen hatte. Er erzählt von seinem Widerwillen gegen Bindungen, von seinen Problemen, wenn er sich gezwungen sieht, sich mit den alltäglichen Pflichten auseinander zu setzen.
Und seine Tochter, mit ihren 16 Jahren manchmal erwachsener als ihr Vater, hört zu. stellt die nötigen Fragen, die er braucht, um weiter zu erzählen; von seiner Vergangenheit, von seiner Meinung zur Vorstadttristesse und zum Schulwesen, zu Charaktereigenschaften und ihren Schattenseiten...
Während des Lesens dieses Romans, zumindest während der ersten Hälfte, hat mich die Frage/Antwort-Konstellation dieses Buches noch weniger gestört. Aber je weiter ich kam, umso stärker wurde die im übrigen recht farblos gezeichnete Tochter zur reinen Stichwortgeberin; auch die Telefonate und Mails bzw. SMS, die er mit seiner Freundin austauscht, verlieren viel von ihrer Authentizität. Der Autor dreht sich hier im Kreis; er wiederholt seine Argumente wieder und wieder und wieder, verpackt sie mehr schlecht als recht immer wieder ein wenig anders.
Dabei war ich über weite Strecken vom leichten Plauderton und der Art und Weise, wie de Carlo die Widersprüche in Beziehungen zu schildern versteht, sehr angetan. In seiner Argumentation konnte ich vieles aus meinem Bekanntenkreis wiederfinden; und man stößt doch immer wieder gerne auf Gedankengänge, die man durchaus auch selbst schon hatte, nur nicht so griffig formuliert hatte.
Als Leser hatte ich gehofft, während der 300 Seiten eine Entwicklung der Protagonisten feststellen zu können - darin wurde ich enttäuscht. Und je länger der Autor seinen Protagonisten in seiner gewünschten Verantwortungslosigkeit belässt, umso unsympathischer wird diese Haltung; kurz: die ersten 150 Seiten hätten mir eigentlich ausgereicht, zumal die Rahmenhandlung ohnehin nur eine Farce war, die gegen Ende auch noch richtig peinlich gerät.
Guter Start und schlechtes Finish - für Fans des italienischen Autors wohl kein Hindernis, mich konnte es nicht vollständig überzeugen.
Andrea de Carlo wurde 1952 in Mailand geboren. Nach Aufenthalten in den USA und Australien schrieb er seinen ersten Roman "Creamtrain" der - von Italo Calvino entdeckt - ein internationaler Bestseller wurde.
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