Originaltitel: 30 Days in Sydney
Roman. Piper Verlag 2003
210 Seiten, ISBN: 3492275222

Als Peter Carey zur Recherche kurz vor den olympischen Spielen nach Sydney fliegt, überwältigt ihn das Gefühl, endlich wieder in der schönsten Stadt der Welt zu sein. Voller Begeisterung erzählt er von den Stränden, der einzigartigen Bucht, der Weite der Stadt - und davon, wie man hier auch als Städter den Elementen ausgeliefert ist.
Das Meer prägt die Stadt natürlich; jeder Sydneysider, der auf sich hält, hat mindestens ein Boot, und die unzähligen Wasserstraßen laden dazu auch ein. Aber das Meer ist hier auch tückisch; das hatten auch Peters Freunde erlebt, die an der Regatta Sydney-Hobart teilgenommen hatten und dabei beinahe ums Leben kamen.
Die trockene, ausgelaugte Erde ist ein weiterer charakteristischer Teil der Stadt - und wer weiß, wie das Geschick der Stadt ausgesehen hätte, wenn die Landung damals an der Botany Bay stattgefunden hätte, wo es wesentlich fruchtbarer ist.
Carey erzählt hier von den Anfängen der Stadt, von der ersten Besiedlung, den Aborigines, die durch Pocken beinahe ausgerottet werden, von den Buschbränden, die immer wieder die Stadt bedrohen, von den hässlichen Teilen, von der manchmal nur als rüde zu bezeichnenden Architektur, von seiner Angst, über die Harbour Bridge zu fahren und von seinen Freunden, die nach wie vor in dieser Stadt leben, in der er sich mit seinen amerikanischen Dollars ein Haus fast am Strand mit 4 - 5 Schlafzimmern leisten könnte, statt in Manhattan in einer kleinen Wohnung mit Frau und zwei Kindern zu leben.
Es ist ein sehr persönlicher Blick auf die Stadt, den Carey uns hier bietet; er versucht zwar auch, die Geschichte nicht zu vernachlässigen, aber gerade der Part von der ersten Besiedlung erschien mir als einer der schwächsten des Buches.
Was den Reiz dieser *Gebrauchsanweisung* ausmacht, sind die sehr persönlichen Gespräche mit seinen Freunden, den Stories, die sie zu seinem Buch beitragen wollen, ihrem Verständnis für die Struktur der Stadt und vor allem der großen Liebe zu Sydney.
Man erfährt auch viel über Carey selbst bei er Lektüre, seine Geschichte ist mit dieser Stadt verwoben, und das zeigt er auch. So groß mein Mitgefühl mit ihm aber auch war, dass er Angstzustände bekam, wenn er über die Harbour Bridge fahren sollte - die Traumsequenz, in der er seine Brückenbesteigung schildert, mochte ich trotzdem nicht. Obwohl ich den Kunstgriff, plötzlich eine Figur aus Flann O´Briens "Drittem Polizist" sprechen zu lassen, wirklich reizvoll war, war ich doch sehr froh, wieder zu den bodenständigeren Geschichten zurück zu kehren.
Für Menschen, die die Stadt noch nicht kennen, wäre eine grobe Landkarte zur Orientierung sicher sehr hilfreich gewesen, das völlige Fehlen empfand ich ziemlich als Manko, auch wenn die Serie sich ja nicht als Reiseführer versteht.
Mich haben diese paar Seiten jedenfalls gut unterhalten - und mein Fernweh ist wieder stark geschürt…
Peter Carey wurde 1943 in Bacchus Marsh, Victoria (Australien) geboren und lebt heute mit seiner Frau, der Theaterdirektorin Alison Summers und den beiden Söhnen in New York. Er wurde 1988 und 2001 mit dem wichtigsten Literaturpreis des Common Wealth, dem Booker Prize ausgezeichnet. "Oscar und Lucinda" wurde von Gillian Armstrong mit Ralph Fiennes und Julianne Moore in den Hauptrollen verfilmt.
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