Truman Capote - Frühstück bei Tiffany

Originaltitel: Breakfast at Tiffany´s
Erzählung(en). Rowohlt Verlag 1962
136 Seiten, ISBN: 3499104598

Das erste, was dem Erzähler an Holly Goligthly auffiel, war die seltsame Visitenkarte, die sie an ihrem Briefkasten befestigt hatte. Dann ihre Stimme, wenn sie nachts um drei ihren Schlüssel vergessen hatte und einen der Nachbarn weckte, um sie einzulassen. Und schließlich stand sie eines abends auf der Feuertreppe vor seinem Fenster und wollte ein paar Stunden hier verbringen, um dem Mann in ihrer Wohnung zu entgehen.

Nun war er in den Kreis derer aufgenommen, die in Holly´s Wohnung ein und aus gingen; die diese seltsame, bezaubernde und geheimnisvolle Frau umgaben. Die Gesellschaft, die sich bei ihr aufhielt, war bunt gemischt - und Klatschspaltenträchtig. Immer wieder konnte man ihren Namen lesen, konnte die Vermutungen nachlesen, wer denn nun gerade der Auserwählte sei, dem sie vielleicht dann doch das Jawort geben würde.

Und dann gab es noch die Donnerstage. Donnerstag war Sing-Sing Tag. Da besuchte Holly einen alten Mafiosi, der sie gut dafür bezahlte. Und als Beweis, dass sie auch wirklich da gewesen wäre, sollte sie nur eine geheime Botschaft weiterleiten.

Auch ein Ehemann tauchte eines Tages urplötzlich auf. Sie wäre doch noch nie verheiratet gewesen und wollte wissen, wie das sei, rechtfertigte Holly sich. Um dann zur nächsten Glamourparty zu schwirren. Aber auch ein seltsames Wesen wie Holly bleibt vor der Liebe nicht verschont; nur Skandal kann der Auserwählte keinen brauchen. Der kommt aber, als Holly wegen ihrer Kontakte zur Mafia verhaftet wird...

Zu beschreiben, was an dieser schmalen Erzählung so reizvoll ist, es durch den Inhalt erklären zu wollen, ist ein Ding der Unmöglichkeit. Truman Capote hat hier ein wunderbares Stück Literatur geschaffen; die Atmosphäre im mondänen New York der letzten Kriegsjahre spürt man in jeder Zeile. Herrlich leicht und luftig, wie ein fröhliches Musikstück mit sentimentalem Grundton. Das kann man nicht vermitteln - das muss man selber lesen. Oder sich die wunderbare Verfilmung mit Audrey Hepburn ansehen!

Truman Capote

Truman Capote wurde am 30. September 1925 in New Orleans geboren. Schon früh begann er zu schreiben und bald erchienen seine Erzählungen in verschiedenen literarischen Zeitschriften. Mit neunzehn Jahren erhielt er für seine Erzählung "Miriam" den begehrten O. Henry-Preis, den er 1948 für "Schließ die letzte Tür" zum zweitenmal bekam. 1948 wurde auch sein zweiter Roman, "Andere Stimmen, andere Räume" veröffentlicht; er erregte durch seinen eindringlichen Stil aufsehen und durch eine eigenartige Poesie, die einen neuen Ton in die amerikanische Literatur der Gegenwart brachte. Der so früh zu internationalem literarischen Ruhm Gekommene versuchte sich in den verschiedensten Berufen. Truman Capote starb am 25. August 1984 in Los Angeles

Auszug aus dem Titelverzeichnis / Rezensionen zu weiteren Büchern:


Neues aus dem LESELUST-Blog

Claude Lanzmann - Der patagonische Hase. Erinnerungen

Claude Lanzmann ist der Mann, der den Film "Shoah" geschaffen hat. Er hat als Filmemacher, Journalist, Lektor gearbeitet, sich schon in der Jugend in der Resistance organisiert, mit Simone de Beauvoir zusammengelebt, Angelika Schrobsdorff geheiratet… kurzum: ein ausgesprochen ereignisreiches Leben gelebt, von dem er in diesem Buch erzählt. Ein Zeitzeugnis, fürwahr - manchmal zwar aufgrund der Eitelkeit des Autors nur schwer erträglich, aber die letzten 200 Seiten, in denen er von der Enstehung seines Hauptwerks berichtet, lassen alle vorherigen Kritikpunkte zurücktreten. [..MEHR..]

Link zum Diskussionsforum

©27.07.2001 Daniela Ecker (Brezing) - - - Impressum - - - © 1998-2013 LESELUST Daniela & Markus Brezing