Albert Camus - Die Pest

Originaltitel: La Peste
Roman. Rowohlt Verlag 1970
350 Seiten, ISBN: 349922500X

Eines Tages tauchen die Ratten auf in Oran, einer beliebigen, nichtssagenden Stadt an der algerischen Küste.

Erst wird dieses Phänomen nicht ernst genommen. Doch täglich kommen mehr dieser großen Nager an die Oberfläche - einzig, um hier zu sterben. Die Stadt kommt kaum noch nach, sie alle wegzuschaffen, zu verbrennen.

Doch dies ist nur das erste Anzeichen; plötzlich erkranken Menschen an hohem Fieber, begleitet von schmerzhaften Beulen - und sterben innerhalb kurzer Zeit.

Die Pest, tot geglaubt, hat in Oran Einzug gehalten. Als feststeht, dass es sich tatsächlich um diese höchst ansteckende Seuche handelt, wird die Stadt von der Außenwelt abgeriegelt, Wachposten sorgen dafür, dass niemand die Krankheit in die restliche Welt trägt.

Der Arzt Rieux, dessen Frau kurz zuvor zur Auskurierung ihrer Lungenkrankheit weggefahren war, kümmert sich aufopfernd um die Kranken. Als einer der ersten hatte er den Ernst der Lage erkannt und für die Ausrufung des Notstands plädiert.

Andere hingegen stellen all ihr Streben nur danach, aus der Stadt hinauszugelangen. Rambert, der eigentlich nur zufällig zu diesem Zeitpunkt in Oran war, empfindet sich als nicht zugehörig; zumindest ihm, so ist er der Meinung, sollte die Ausnahmegenehmigung erteilt werden, nach Paris zurückzukehren.

Grand, der kleine Beamte, der ewig benachteiligte, leistet treu und redlich auch hier seine Dienste, führt die Statistiken - und flüchtet danach zurück zu seiner eigentlichen Berufung, dem Buch das er schreiben will, das jedoch über den ersten Satz nicht hinausgewachsen ist. Auch er erkrankt eines Tages - doch an ihm ist die Wende bemerkbar, sein Fall ist der Erste, der einen Sieg über die Pest bedeutet.

Eine Zusammenfassung oder gar Beurteilung zu einem Werk der Weltliteratur ins Netz zu stellen, ist natürlich kritisch; zu viele Schüler könnten eine Interpretation erwarten, die hier nicht erfolgen wird. Dazu gibt es gelehrtere Köpfe, die lange darüber nachgedacht haben. Deshalb hier nur meine ganz persönlichen Eindrücke:

Mein Wunsch, dieses Buch nochmals zu lesen, kam nach Saramagos "Die Stadt der Blinden" auf.

Und auch beim wiederholten Mal konnte ich feststellen: Dieses Buch ist sehr beeindruckend.

Die Schilderung des Lebens in der Stadt, als allmählich klar wird, dass keiner vor der Krankheit gefeit ist, dass sie auf das Leben aller Einfluss hat, hinterlässt einen sehr bedrückenden Nachgeschmack.

Ein paar Einzelschicksale wurden herausgegriffen, anhand derer die persönliche Entwicklung, die in Krisenzeiten möglich ist, dargestellt wird.

Am stärksten ist das Bild, das der kleine Beamte Grand bei mir hinterlassen hat; egal, was auch passiert, er bleibt an seinem Platz, versieht seinen Dienst - und entdeckt erst spät die Werte der Freundschaft.

Ein Buch, das man immer wieder lesen kann!

Albert Camus

Albert Camus, geboren am 7. November 1913 als Sohn einer Spanierin und eines Elsässers in Algerien, studierte von 1933 bis 1936 an der Universität Algier Philosophie. 1934 trat er der Kommunistischen Partei Algeriens bei, brach jedoch drei Jahre später mit der KP. 1940 zog er nach Paris, 1957 erhielt er den Nobelpreis für Literatur. Er starb 1960 bei einem Autounfall.

Auszug aus dem Titelverzeichnis / Rezensionen zu weiteren Büchern:

  • Unter dem Zeichen der Freiheit
  • Der erste Mensch
  • Der Mythos des Sisyphos
  • Die Pest
  • Der Fremde

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