Peter Cameron - Die Stadt am Ende der Zeit

Originaltitel: The City of Your Final Destination
Roman. Aufbau Verlag 2002
313 Seiten, ISBN: 3351029527

Es ist ziemlich typisch für Omar, sich nicht rechtzeitig um die notwendigen Unterschriften für sein Stipendium zu bemühen. So sieht das zumindest seine Freundin Deirdre. Und sie hat ja auch recht: Schließlich wusste Omar, dass er für eine authorisierte Biographie des Schriftstellers, die er schreiben wollte, die Zustimmung der Erben brauchte. Und dass von diesen Unterschriften sein Stipendium abhing.

Womit er allerdings auch gar nicht gerechnet hatte, war, dass die drei Erben ablehnen könnten. Dass sie etwas dagegen haben könnten, dass über den Schriftsteller Gund eine Biographie geschrieben würde. Was bleibt ihm also übrig, als ihnen einen Besuch abzustatten und zu hoffen, sie vom Gegenteil zu überzeugen?

Und so landete er kurze Zeit später in Urugay, um dann eines Tages unangekündigt vor der Tür zu stehen. Dass das Anwesen so viele Kilometer von der nächsten Siedlung entfernt wäre, hatte Omar nicht erwartet; was bleibt ihm also übrig, als die Gastfreundschaft der drei Erben anzunehmen? Eine seltsame Konstellation herrscht in dem Haus; sowohl die Ehefrau, von der er sich bis zum Tod nicht scheiden ließ, als auch die langjährige Geliebte des Schriftstellers mit ihrer Tochter lebten hier, mit dem Bruder und dessen Freund in Laufweite.

Omars Auftauchen wirbelt die seltsame Gemeinschaft gehörig durcheinander; und Stück für Stück beginnen sowohl die Vorbehalte gegen die Biographie zu bröckeln - wie auch seine Überzeugung, sie schreiben zu müssen...

Ein schönes Coverbild, ein interessanter Plot, ein Autor, der auch ganz passabel schreiben kann - eigentlich kann man mit diesem Buch nicht sehr viel falsch machen. Liest sich locker und leicht, ist interessant genug, um den Leser bis zum Schluss zu fesseln, bringt zwischendurch zum Schmunzeln; und doch: es fehlt etwas. Es fehlt dieses gewisse Etwas, das ein Buch aus der Masse der Beliebigkeit hebt, das über die bloße Abbildung realistischer Szenen hinausgeht.

Mich persönlich hat auch noch gestört, dass das Buch so dialoglastig war - wiederum realitätsnahe Dialoge, rustikal und echt, aber doch so furchtbar banal - wie Alltagsgespräche nun mal meistens sind.

Nett zu lesen, aber auch rasch wieder vergessen, wenn man das Buch erst fertig gelesen hat.

Peter Cameron

Peter Cameron wurde 1960 geboren, wuchs in New Jersey auf und lebt heute in New York. Diverse Lehraufträge an der Columbia University´s School of Arts. Für seine Erzählungen wurde Cameron zweimal mit dem O. Henry Award ausgezeichnet.

Auszug aus dem Titelverzeichnis / Rezensionen zu weiteren Büchern:


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