Michail Bulgakow - Der Meister und Margarita

Originaltitel: Master i Margarita
Roman. dtv Der TaschenbuchVerlag 1992
503 Seiten, ISBN: 3423116684

Im Moskau der 30er Jahre taucht eines Tages ein geheimnisvoller Fremder auf. Zwei Literaten sind die ersten, die ihm begegnen. Der eine, ein Lyriker, hatte soeben eine Auftragsarbeit, ein Gedicht über Pontius Pilatus an den anderen, den Kritiker abgeliefert. Ein Gedicht, mit dem der Kritiker überhaupt nicht einverstanden war. Es klänge so, meinte er, als habe es diesen tatsächlich gegeben. Und genau an diesem Punkt mischt sich der Fremde in das Gespräch ein. Er, der behauptete, mit Kant gefrühstückt zu haben, wäre damals dabei gewesen. Die Geschichte, die er erzählt, weicht ein wenig von der überlieferten Version ab - ein Aufschneider, denken die beiden Moskwiten. Doch er kündigt auch den Tod des Kritikers an - der auf genau diesem Weg auch eintritt.

Er ist eine Gefahr, dieser Voland, merkt der Lyriker daraufhin - einer, vor dem man dringend warnen muss, sofort! Aber keiner glaubt ihm, und so landet er noch am selben Abend in der Irrenanstalt.

Diese erst kürzlich errichtete Anstalt sollte in den nächsten Tagen noch erheblichen Zulauf erfahren; denn nun fängt Voland erst richtig an, in der Stadt sein Unwesen zu treiben.

Ein Auftritt im Variete bildet den Höhepunkt; von "Der Schwarzen Magie und ihrer Entlarvung" soll dieser Auftritt handeln. Doch er entlarvt vor allem eines: das in Moskau alles beim alten ist, die Bewohner durch die Not nur noch ein Stück gieriger geworden sind.

In der Irrenanstalt erhält der Lyriker indes Besuch von einem, der sich selbst nur als "Meister" bezeichnet. Er war vor einger Zeit gelandet, weil er ein Buch über Pontius Pilatus geschrieben hatte, das ihm nur Scherereien einbrachte. Einzig seine große Liebe, Margarita, hatte an ihn geglaubt.

Der Meister ist auch der einzige, der die Erzählung des Lyrikers glaubt - und in der geschilderten Person sofort Voland, den Satan, erkennt.

Margarita wird in dieser Zeit auch von einem seltsamen Mann angesprochen - und zur Ballkönigin auf des Satans Mitternachtsball gemacht. Ihre Belohnung hierfür: sie darf sich etwas wünschen. Und wünscht sich den Meister frei und zurück....

Ich bin immer noch wie erschlagen von all den schillernden Bildern, die hier gezeigt werden. Wobei mir vor allem der erste Teil zugesagt hatte - und der "Roman im Roman", die Neuerzählung der christlichen Kreuzigungslegende.

Ein Buch, das voller absurder Ideen steckt - und ein unglaubliches Dokument über die Zustände im Moskau der 30er Jahre.

In diesem Zusammenhang ist übrigens das Nachwort von Ralf Schröder ausgesprochen nützlich; in kurzer Zusammenfassung werden ein paar Hintergründe näher beleuchtet.

ich werde dieses Buch bestimmt nicht nur einmal lesen - und ich bin sicher, auch noch nach mehrmaliger Lektüre immer wieder auf etwas Neues zu stoßen. Ich kann es allen nur unbedingt ans Herz legen! Aber Vorsicht - Suchtgefahr!

Michail Bulgakow

Michail Bulgakow wurde am 15. Mai 1891 in Kiew geboren und starb 1940 in Moskau. Nach einem Medizinstudium arbeitete er zunächst als Landarzt, zog aber dann nach Moskau, um sich ganz der Literatur zu widmen. Er gilt als einer der größten russischen Satiriker und hatte zeitlebens unter der stalinistischen Zensur zu leiden, seine zahlreichen Dramen durften nicht aufgeführt werden, seine bedeutendsten Prosawerke konnten erst nach seinem Tod veröffentlicht werden. "Der Meister und Margarita" entstand zwischen 1929 und 1939, wurde aber erst 1966 erstmals veröffentlicht.

Auszug aus dem Titelverzeichnis / Rezensionen zu weiteren Büchern:


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