Bill Bryson - Frühstück mit Kängurus

Originaltitel: Down Under
Roman. (englischsprachiger Verlag) 2000
349 Seiten, ISBN: 3442453798

Bill Bryson ist Reiseschriftsteller; nach Australien war er in diesem Zusammenhang mehrere Male gereist. Was er dabei an Merkwürdigkeiten festgestellt hat, ist zum Teil herrlich witzig zu lesen, aber leider auch in weiten Teilen langatmig und etwas anstrengend.

Es fängt jedenfalls herrlich an: vor seiner ersten Reise will er, als interessierter Besucher, kurz checken, welche Kenntnisse über diesen Kontinent sich denn in seinem Gedächtnis auffinden lassen. Und stellt dabei fest, dass er nicht nur keine Ahnung hat, wie Australiens Premier heitß, sondern auch sonst keinen Schimmer hat, was im Land so vorgeht. Nachforschungen im Zeitungsarchiv bringen dann auch zutage, dass Australien in den Nachrichten praktisch nicht vorkommt, wenn man von Ausnahmen wie Olympiaberichterstattung mal absieht. Aber in der Rangliste der Erwähnungen kann Australien sich in etwa mit Staaten wie Burundi messen.

So konnte es auch passieren, dass in Australien eines Tages ein Premierminister schwimmen ging, nie wieder auftauchte - und die Welt keine Notiz davon nahm. Die Australier haben diesem Mann dann übrigens nach seinem Tod ein Denkmal gesetzt: die städtische Schwimmhalle in Melbourne wurde ihm gewidmet ...

So bizarr sind die Geschichten, die Bryson ausgräbt - wobei die eben erwähnte zu meinen Lieblingsgeschichten gehört.

Er schreibt sehr assoziativ; wenn er eine Stadt wie Canberra beschreibt, die am Reißbrett entstanden ist und eher wirkt wie ein Park, in dem eine Stadt versteckt ist, dann hat man das lebhaft vor Augen, man irrt mit ihm durch Straßen, die alle irgendwie gleich aussehen, und niemand ist zu sehen, den man nach dem Weg fragen könnte.

Auch die Geschichte Australiens versteht er so in Erzählungen zu verpacken, dass auch etwas davon im Gedächtnis hängen bleibt; sei es der Goldrausch, der den ersten Boom an Einwanderern ins Land brachte, oder die Situation nach dem zweiten Weltkrieg, die die nächste große Einwanderungswelle bestimmt hat.

So erzählt er auch von der Volksabstimmung über eine selbständigen Nation Australien mit der Alternative, weiterhin abhängig vom "Mutterland" England zu bleiben - was angesichts der Tatsache, dass man als selbständige Nation ja auf das "Royal" in so vielen Zusammenhängen verzichten müsste, gegen die Selbständigkeit entschieden wurde - also genau die Dinge, die man vielleicht als aufmerksamer Zeitungsleser in einer Randnotiz erwähnt gefunden hätte.

Wenn es um Tiere geht, dann fällt mir zu Bill Bryson nur ein Wort ein: Paranoia. Australien beheimatet sicher durch die isolierte Lage und die extremen Witterungsverhältnisse einige der giftigsten Tiere überhaupt. Wenn man nun Bryson zuhört, dann dürfte man es eigentlich kaum wagen, einen Fuß vor die Tür zu setzen, weil man ständig von Spinnen, Schlangen etc. überfallen wird; ins Wasser sollte man sich ohnehin nicht begeben, denn Krokodile lauern überall etc.

Auch dazu bringt er natürlich Beispiele, die wirklich herrlich zu lesen sind; aber dazwischen hat er mich mit seinen übertriebenen Ängsten und Ausführungen auch ganz schön genervt.

Seinen Humor habe ich persönlich nur in vergleichsweise kleinen Dosen wirklich als lustig empfinden können; die Grenze zum Übertriebenen war sehr rasch überschritten. Nicht umsonst habe ich insgesamt fast drei Monate gebraucht, um das Buch wirklich bis zum Ende zu lesen.

Am empfehlenswertesten ist die Lektüre natürlich, wenn man vor Ort ist, vielleicht selbst gerade die Städte besucht, die er beschreibt, und das eigene Bild mit seinem vergleichen kann. Auf diese Idee sind auch unzählige andere Reisende gekommen; mit diesem Buch herumzulaufen ruft laufend Kommentare hervor, die eine Hälfte hat es schon gelesen, die andere ist gerade dabei oder hat es zumindest vor. Aber bekannt ist er im ganzen Land dafür.

Mein Urteil lautet: zwiespältig. Ein netter Reisebegleiter, aber kein Buch, das man im Regal stehen haben muss.

Bill Bryson

Bill Bryson wurde 1951 in Des Moines, Iowa, geboren. 1977 ließ er sich in England nieder hat hat dort viele Jahre mit seiner britischen Ehefrau und ihren vier Kindern in North Yorkshire gelebt. Heute lebt er mit seiner Familie in Amerika.

Auszug aus dem Titelverzeichnis / Rezensionen zu weiteren Büchern:


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