Originaltitel: Let It Come Down
Roman. Goldmann Verlag 2000
402 Seiten, ISBN: 3442463467
Während der Wirtschaftsdepression war er froh gewesen, den Job in der Bank zu bekommen. Doch dann - passierte nichts mehr. Als alle seine Freunde eingezogen wurden, blieb Dyar nach wie vor unberücksichtigt, und nun ist der Krieg vorbei und er sieht sich bis an sein Lebensende an den Schalter gefesselt.
Als er von einem alten Bekannten hört, der in Tanger ein Reisebüro betreibt, der ihm auch noch einen Job anbietet, steht sein Entschluss rasch fest: auch wenn es nur ein Strohhalm ist, aber jede Veränderung ist besser als sein bisheriges Leben.
Es regnet, als er in Tanger ankommt. Wilcox, sein neuer Boss, reagiert auch nicht gerade enthusiastisch, als Dyar sich bei ihm meldet, nimmt er ihn an diesem Abend zumindest zu Freunden mit - exzentrische Engländer, ein seltsamer Abend mit reichlich Alkohol. Als sie ein Taxi zurück in die Stadt nehmen, ist der Abend für Dyar noch nicht zu Ende; so soll er nicht enden. Ein Einheimischer wird zu seinem Fremdenführer, sie landen in einer Bar - die sowohl Hinterzimmer als auch Mädchen vermietet. Sie ist sehr hübsch, Hadija - das hat auch eine ebenfalls in Tanger weilende Amerikanerin schon festgestellt, der sie ebenfalls zu Diensten ist.
Wilcox will Dyar nicht in seinem Büro haben, hält ihn mit zahllosen Ausreden hin; von allen Seiten wird Dyar mit den unterschiedlichsten Anforderungen konfrontiert, die ihn in seiner Naivität völlig überfordern. Und so schlittert er immer weiter in Machenschaften, die er nicht durchschauen kann...
Sehr, sehr lange passiert gar nichts in diesem Roman. Die beteiligten Personen werden vorgestellt, das Netz, das sie miteinander verbindet, aufgezeigt; und das ist auch der Teil des Buches, der am meisten Lesegenuss bereithält.
Denn Paul Bowles beobachtet gut, vermag seine Figuren treffend zu beschreiben, er vermittelt wunderbar das Gefühl der Fremdheit in der exotischen Stadt, das auch sein Protagonist Dyar verspürt.
Aber als dann der eigentliche Plot einsetzt, lässt das Vergnügen deutlich nach - und die Lektüre wird quälend langweilig. Unglaubwürdig, zäh und ohne die zuvor bei der Einführung der Personen gewohnten Qualität der Beschreibungen zieht sich jede Seite plötzlich unendlich in die Länge. Kein Buch, das ich wirklich weiterempfehlen würde.
Paul Bowles wurde 1910 in Jamaica geboren, studierte in Berlin und New York Musik und schrieb Bühnenmusik für Orson Welles, William Saroyan und Tennessee Williams bevor er in den vierziger Jahren als Autor und Übersetzer weltberühmt wurde. 1947 ließ sich Bowles mit seiner Frau in Tanger nieder, wo er 1999 starb.
Javier Marias - Die sterblich Verliebten
Wozu ist der Mensch aus Liebe fähig? Welche Taten werden im Namen der Liebe begangen? Das ist ein Thema, das den spanischen Erfolgsautoren Javier Marias (Mein Herz so weiß) in seinen Romanen immer und immer wieder behandelt. Auch in seinem neuen Roman, der steht dieses Thema im Vordergrund und wird gewohnt ausschweifend behandelt. Wer diesen Stil mag, wird auch diesmal wieder genug Gelegenheiten haben, sich an Sprache und Wendungen zu erfreuen. An "Mein Herz so weiß" kommt er damit aber nicht heran. [..MEHR..]
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