Originaltitel: Il catalogo delle amiche
Erzählung(en). Piper Verlag 1999
180 Seiten, ISBN: 3492041604

Objektiv betrachtet, haben sie alles - einen guten Job, sie sind attraktiv, einige verheiratet, Kinder - aber irgendetwas fehlt jeder von ihnen, glücklich, so richtig glücklich, ist keine.
Cristina fühlt sich nur dann wirklich wohl, wenn irgendwo um sie herum ein Unglück passiert, wenn sie die aufopfernde Krankenschwester, Helferin darstellen kann - am besten natürlich, sie kann einem Mann helfen, ihm auch noch ihre Spezialbehandlung angedeihen lassen; sobald die Kranken wieder gesund sind, verliert sie das Interesse.
Ludovica, zierlich, elegant, beruflich sehr erfolgreich, ist der Meinung, nicht perfekt genug für ihren Dauerverlobten zu sein, der in den Augen ihrer Freundinnen ziemlich langweilig und arrogant ist. Ihr Streben, ihm zu gefallen, bedeutet richtige Arbeit - sie liest, kocht und pflegt sich nur um seinetwillen, für die immer seltener werdenden Momente seiner Aufmerksamkeit.
Stefania hat von Kindheit an gehört, dass sie bei der Auswahl des richtigen Partners vorsichtig sein muss - um nicht, wie ihre Mutter, sitzen gelassen zu werden. Ständig muss sie deren Redeschwall über sich ergehen lassen, sich fragen lassen, warum sie immer noch solo ist - und im selben Atemzug erfahren, was ihre Mutter unternommen hat, um die wenigen Freunde, die sie jemals mit nach Hause gebracht hatte, wieder loszuwerden.
Francesca leidet unter ihrem gewaltigen Busen, Fabrizia, die Schriftstellerin, an ihrem großen Hintern. Emanuela kann keinen Mann halten - und Emilia, die der umschwärmte Mittelpunkt der Freundinnen ist, beneidet jede einzelne um das Glück, das diese, davon ist sie überzeugt, im Gegensatz zu ihr kennt.
Leider hat sie wohl nicht so unrecht, die Autorin dieses Buches - die meisten von uns denken doch zumindest hin und wieder: wenn ich nur dies und jenes erreiche, wenn ich nur ein paar Kilo weniger habe, diese tollen Klamotten anziehe, jenen beruflichen Aufstieg schaffe, den richtigen Mann gefunden habe - dann, ja dann, wäre ich wirklich glücklich.
Und jeder kennt wohl auch die Zeiten, wo man selbst versucht, sich den vermuteten Wünschen und Anforderungen der Umgebung anzupassen, anstatt die eigenen Bedürfnisse voran zu stellen.
Ja, diese Erzählungen, die oft sehr sarkastisch sind, haben mir ausgesprochen gut gefallen - nur 2 davon, über das junge Mädchen und die Gesellschaftsdame, haben mich gar nicht angesprochen und passen meiner Meinung nach auch nicht in den Reigen dieser Freundinnen.
Großartig fand ich vor allem den Abschluss, als jede einzelne, so unzufrieden sie zuvor auch dargestellt wurde, gleichzeitig auch ein Objekt des Neides darstellt.
Allerdings könnte man nach der Lektüre dieses Buches sehr schnell den Glauben an Frauenfreundschaften verlieren…
Isabella Bossi Fedrigotti, geboren 1948 in Rovereto als Tochter einer Österreicherin und eines Italieners. Neben ihren großen Bucherfolgen ist sie in Italien auch als Journalistin und Kolumnistin für "Corriere della Sera" und "Sette" bekannt geworden.
Javier Marias - Die sterblich Verliebten
Wozu ist der Mensch aus Liebe fähig? Welche Taten werden im Namen der Liebe begangen? Das ist ein Thema, das den spanischen Erfolgsautoren Javier Marias (Mein Herz so weiß) in seinen Romanen immer und immer wieder behandelt. Auch in seinem neuen Roman, der steht dieses Thema im Vordergrund und wird gewohnt ausschweifend behandelt. Wer diesen Stil mag, wird auch diesmal wieder genug Gelegenheiten haben, sich an Sprache und Wendungen zu erfreuen. An "Mein Herz so weiß" kommt er damit aber nicht heran. [..MEHR..]
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